Kommentar zum Homeschooling Übers Ziel hinaus geschossen

Gerade müssen die Schüler am Laptop lernen. Foto: dpa/Jonas Güttler

Die Sorge einer Familie aus dem Rems-Murr-Kreis wegen des Fernunterrichts ist verständlich. Aber manchmal ist weniger mehr.

Rems-Murr: Simone Käser (sk)

Winnenden - Eltern wollen wohl immer das Beste für ihr Kind und machen sich schnell Sorgen. Das liegt in der Natur der Sache. Die Corona-Pandemie führt dazu, dass in vielen Familien die Sorgen – teils auch existenzielle – überhand nehmen. Nichts ist mehr wie es mal war, alle Abläufe sind gestört und Strukturen aufgehoben. Kein Wunder also, dass sich in so einer Zeit ein Vater dafür einsetzt, dass die Ausnahmesituation nicht dazu führt, dass sein Kind schulisch abrutscht und womöglich langfristig mit dem entstandenen Defizit zu kämpfen hat.

 

Eine Familie, der die Bildung der Kinder am Herzen liegt, schaut auf den Fernunterricht

Eine Familie, der die Bildung der Kinder am Herzen liegt, schaut da eben schon genau hin, wie das mit dem Homeschooling läuft. Entsteht der Eindruck, das Kind würde nicht richtig unterrichtet, sondern nur mit Aufgaben abgespeist, kommen Ängste – und Ärger baut sich auf. Das ist nachvollziehbar.

Wenn das dann aber dazu führt, dass Verantwortliche mit ellenlangen Beschwerde-Mails und Telefonaten überhäuft werden, die sich in Details verlieren, dann ist das weniger nachvollziehbar und wahrscheinlich auch nicht unbedingt zielführend. Im Gegenteil: in seinem Bemühen, sich für einen besseren Online-Unterricht seines Sohnes einzusetzen, ist der besorgte Vater über das Ziel hinausgeschossen. Es ist bestimmt richtig, dass viele Eltern – so sie denn genauso denken – häufig nicht die Kraft dazu haben, sich zu beschweren. Es bringe ja doch nichts, ist oft zu hören. Sich deshalb ein Herz zu fassen und sich zu trauen, seinem Ärger Luft zu machen, ist eine gute und mutige Entscheidung. Schließlich muss man sich nicht alles gefallen lassen.

Aber es mit dem Beschweren zu übertreiben, ist auch nicht der richtige Weg

Aber es mit dem Beschweren zu übertreiben, in einer Zeit, in der sicher nicht alles sofort richtig läuft, aber eben auch alle vor ganz neue Herausforderungen gestellt sind, ist auch nicht der richtige Weg. Eine ruhige Unterhaltung mit dem wichtigsten Gesprächspartner, in dem Fall der Schulleiter, wäre angemessen gewesen. Das hätte schon ausreichen können, um Fragen zu klären und Wünsche zu äußern. Stattdessen entschied sich der besorgte Vater zu einem Rundum-Schlag quer durch alle betroffenen Ämter. Weniger wäre hier wohl mehr gewesen.

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