Die Kommunalpolitiker machen die Architekten für ihre eigene Blauäugigkeit verantwortlich. Und kommen auf weitere groteske Ideen.

Stuttgart - Wer die Baugeschichte des Kunstmuseums am Kleinen Schlossplatz kennt, der weiß: für die Architekten Reiner Hascher und Sebastian Jehle, zwei Stuttgarter, die in Berlin ansässig sind, war dieses kulturelle Prestigeprojekt ein dornenreicher Weg. Erst gewannen sie verdientermaßen den internationalen Wettbewerb, weil sie die beste Lösung boten für das vertrackte Grundstück am Kleinen Schlossplatz. Dann wurden ihre Pläne vom amtierenden Galeriechef Johann Karl Schmidt rüde abqualifiziert; Schmidt musste seinen Hut nehmen.

 

Erst als Marion Ackermann aus München geholt wurde, um das Museum zu führen und aufzubauen, gingen die Dinge voran - der Gemeinderat und seine Gremien waren geradezu begeistert, auch von der Idee der Architekten, den Kleinen Schlossplatz mit einem Lichtband zu durchziehen, um so das Tageslicht in die darunter liegenden Räume zu leiten.

Die Zerstörungswut ist erschreckend

Die Hoffnung jedoch, es sei für alle Bürger eine Selbstverständlichkeit, mit diesem neuen öffentlichen Raum pfleglich umzugehen, hat sich als naiv erwiesen. Die Zerstörungswut ist erschreckend. Unseriös aber ist es, wenn der Gemeinderat jetzt versucht, im Falle Kleiner Schlossplatz den Architekten Hascher und Jehle den Schwarzen Peter zuzuschieben. Denn ohne das Ja des Rates gäbe es das Kunstmuseum, so wie es dasteht, gar nicht. Und die Idee, den Architekten bei künftigen Projekten ihr Urheberrecht einzuschränken, ist geradezu grotesk. Im Kunstmuseum am Schlossplatz wartet übrigens schon der nächste Streitfall: Die Gastronomie verlangt Eingriffe in das oberste Stockwerk des Glaskubus.