Kommentar zum Lärmschutz in Stuttgart Bolzplätze müssen privilegiert werden

Beim Fußball kann es nicht ganz leise zugehen. Foto: dpa

Wer Integration durch Sport inmitten der Gesellschaft will, muss im zumutbaren Bereich etwas mehr Lärm ertragen. Bolzplätze sollten privilegiert werden, meint der Autor Götz Schultheiss.

Filder - Die Menschheit leidet nicht nur unter der Trägheit der Bürokratie, sondern auch unter ihrem Arbeitseifer. Im Falle des Bolzplatzes in Stuttgart-Kaltental und anderen städtischen Bolzplätzen ist ihr beides geglückt. Sie hat mit dem Lärmschutz den Bürgern einerseits das Recht eingeräumt, gegen Krach vorzugehen, andererseits hat es das Land versäumt, Ausnahmen vom Bundesgesetz zuzulassen, die Bolzplätze in Wohngegenden betreffen. Diese dienen nicht nur dem Sport und dem sozialen Lernen junger Menschen inmitten der Gesellschaft, sie sind auch ein wichtiges Werkzeug der Integration von Einwandererkindern durch den Sport.

 

Das Land sollte mehr Lärm zulassen

Es ist auch kein Geheimnis, dass junge Leute auf kleinen Spielfeldern auf engem Raum und nah am Gegner den Umgang mit dem Ball besser lernen als auf großen. Ein Beleg dafür ist der ehemalige Nationalspieler Mesut Özil, der auf einem der eingezäunten kleinen Felder, die man im Ruhrgebiet Affenkäfige nennt, seine technische Brillanz gelernt hatte. Es gibt also wenig besseres als Bolzplätze mitten im Wohngebiet, auf denen sich Jugendliche austoben können, anstatt herumzulungern.

Sinnvoll wäre es deshalb, wenn das Land generell mehr Lärm als die bisherigen 55 Dezibel in Wohngebieten zulassen würde. In gemischten Gebieten liegt der Wert bei 60 Dezibel, in urbanen hält der Gesetzgeber sogar 63 Dezibel für zumutbar. Dass das Land Bolzplätze beim Lärm immer noch nicht privilegiert, ist ein Skandal. Offenbar ist dem Landesumweltministerium der soziale Wert der Bolzplätze entgangen und das in einem Bundesland, das sich rühmt, viel für die Integration zu tun. Die kommunalen Planer, denen Respekt und Anerkennung für ihre Arbeit gebührt, müssen die Folgen dieser Ignoranz ausbaden.

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