TV-Duell Clinton und Trump Trump sägt an Grundpfeiler der US-Demokratie

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Derzeit sieht es so aus, als würde Donald Trump nicht in das Weiße Haus einziehen. Doch egal wie die US-Wahl ausgeht: Die Wirkung seiner Lügen werden die USA noch lange Zeit beschäftigen, ist sich US-Korrespondent Damir Fras sicher.

Donald Trump hat seine Taktik perfektioniert: Er spricht das Bauchgefühl seiner Anhänger an – und das ist frei von Fakten und Beweisen. Foto: Getty
Donald Trump hat seine Taktik perfektioniert: Er spricht das Bauchgefühl seiner Anhänger an – und das ist frei von Fakten und Beweisen. Foto: Getty

Washington - Seit Beginn seines Marsches auf das Weiße Haus hat Donald Trump der Realität den Krieg erklärt. Keine Lüge, keine Verschwörungstheorie ist ihm zu groß, um sie nicht seinen Anhängern als politisches Programm zu verkaufen. Nicht anders war es in der Nacht zu Donnerstag, als Trump zur dritten TV-Debatte des US-Wahlkampfes auf seine Konkurrentin Hillary Clinton traf. Zu Beginn verhielt sich Trump zwar für seine Verhältnisse noch zivil. Doch erkennbar wütend über gezielte Sticheleien Clintons, ging Trump schon bald in den alten Angriffsmodus über. Er attackierte, ohne Belege vorzulegen. Er stellte wilde Behauptungen auf.

Eine Debatte kann nicht stattfinden, wenn sich die Teilnehmer an dem Gespräch nicht darauf einigen, dass zwei plus zwei vier ist. Wer dagegen wie Trump beständig sagt, das Ergebnis sei fünf, der will nicht diskutieren, sondern nur agitieren.

Diese Taktik hat Trump perfektioniert. Er spricht den Bauch seiner Anhänger an, nicht das Gehirn. So gibt es zwar keine Belege für den Wahlbetrug, von dem Trump seit Tagen schwadroniert. Doch Beweise wollen die Wutbürger ohnehin nicht sehen. Sie sind offenbar zufrieden damit, dass ihnen Trump eine Art Alternativ-Wirklichkeit verspricht, in der sie sich niederlassen können. In dieser Ersatz-Realität geht es einfach zu. Sie verspricht Sicherheit, Ruhe und Ordnung. Sie ist einfach nicht so verflixt kompliziert wie das wahre Leben.

Trump vergrößert den Graben in der US-Gesellschaft

Derzeit sieht es allerdings so aus, als würde Trumps Marsch am 8. November zu Ende gehen, ohne dass er das Weiße Haus erreicht haben wird. Zumindest die Umfragen deuten darauf hin, dass die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler den Lügen Trumps nicht aufsitzen wird. Das sagt noch nicht, dass es so kommen wird.

Aber selbst wenn Hillary Clinton die Wahl gewinnt, wird die Wirkung der Lügen Donalds Trumps die USA noch lange Zeit beschäftigen. Seine Anhänger, und es sind nicht wenige, werden eine Dolchstoß-Legende pflegen. Wer schon vor einer Wahl überzeugt ist, dass die Stimmabgabe gefälscht ist, der wird nach einer möglicherweise verlorenen Wahl erst recht behaupten, betrogen worden zu sein. Beweise sind schließlich eine lästige Nebensache.

Dieser Werbefeldzug um Stimmen ist verantwortungslos und gefährlich, aber nicht mehr zu ändern. Mit solchen Parolen hat Trump einen Grundpfeiler der US-Demokratie angesägt, der lautet: Der Wahlverlierer akzeptiert seine Niederlage ohne Wenn und Aber. Nicht einmal das wollte Trump am Ende der TV-Debatte zusichern. Das zeigt deutlich, was Trump von der Demokratie US-amerikanischer Prägung hält: Nichts, wenn es ihm selbst keinen Vorteil bringt.

Egal, wer am Ende die Wahl gewinnt: Trump ist verantwortlich dafür, dass der Graben, der die US-Gesellschaft teilt, sich weiter verbreitert. Das könnte der Rest der Welt vielleicht ignorieren, wenn es sich nicht ausgerechnet um ein Land handelte, auf das der Rest der Welt - noch - nicht verzichten kann.