Kommentar zum Milliardenprojekt Elektroauto Porsches Paukenschlag

Auf der Automesse IAA wurde die Stromer-Studie „Mission E“ präsentiert. Foto: dpa
Auf der Automesse IAA wurde die Stromer-Studie „Mission E“ präsentiert. Foto: dpa

In Zeiten immer neuer Hiobsbotschaften kann der Start des Milliardenprojekts Elektroauto den Porsche-Mitarbeitern Mut machen, meint Harry Pretzlaff. Gleichzeitig ist die Investition aus verschiedenen Gründen sehr mutig.

Wirtschaft: Harry Pretzlaff (hap)
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Stuttgart - Die Entscheidung des Porsche-Aufsichtsrats ist ein Paukenschlag, der den Porsche-Mitarbeitern Mut machen kann. Seit im September der VW-Abgas-Skandal aufgedeckt wurde, hören die Beschäftigten der VW-Tochter immer neue Hiobsbotschaften. Seit Monaten wird darüber spekuliert, dass wegen der Bewältigung der Krise eine Kostenlawine auf VW zurollt, werden Horrorzahlen zu den Kosten von Rückrufen, Strafzahlungen und einer Flut von Schadenersatzklagen verbreitet. Zudem bereut mancher bei Porsche heute womöglich, zu diesem Konzern zu gehören, weil die Schwester Audi auch Motoren für den Porsche Cayenne geliefert hat, die mit einer problematischen Software ausgestattet sind. Porsche geriet immer stärker in den Strudel der Probleme des VW-Konzerns.

Das grüne Licht für das Milliardenprojekt „Mission E“ beweist, dass Porsche trotz vielfacher Wirren im Konzern unbeirrt seinen eigenen Weg gehen kann. Zukunftsprojekte verschwinden nicht in der Schublade, die Investitionen werden nicht gekürzt, obwohl es dem Konzern schlecht geht. Das macht Mut. Die Entscheidung ist vielleicht vergleichbar mit einem anderen spektakulären Projekt: Als der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking krachend mit dem Versuch gescheitert war, den VW-Konzern zu übernehmen und Porsche das Image einer Zockerbude hatte, die nur riskante Finanzgeschäfte macht, wurde der Supersportwagen Porsche 918 Spyder mit Hybridantrieb auf den Weg gebracht. Damit sollte das Image poliert und darauf aufmerksam gemacht werden, was Porsche wirklich gut kann: nämlich tolle Autos bauen.

Die Entscheidung zum Start des Milliardenprojekts ist zugleich sehr mutig, weil Elektroautos Ladenhüter sind. Die Reichweite ist zu gering, es gibt zu wenig Ladesäulen, es dauert zu lange, die Batterien aufzuladen und die Stromer sind viel zu teuer. Viele Manager aus der PS-Branche belächeln heute BMW, weil die Bayern massiv wie kein anderer deutscher Autobauer in Elektroautos investiert haben und wohl bis heute nicht wissen, ob sie damit jemals Geld verdienen werden. Die Stromer von Porsche sollen mit einer Ladung zwar weiter fahren als heutige Elektroautos und sich auch viel schneller aufladen lassen. Aber ob sie damit zu einem Renner werden, steht heute in den Sternen.

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