Kommentar zum Multi-Kulti-Fest Rückgrat beweisen

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Die verbalen Angriffe auf das Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Bad Cannstatt sind unerträglich. Wichtig ist, dass die Schule zu ihrer Standhaftigkeit zurückgefunden hat. Ein Kommentar von Holger Gayer, Leiter der StZ-Lokalredaktion.

Das Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Bad Cannstatt musste wegen eines multikulturellen Festes einen Shitstorm im Internet ertragen. Gefeiert wird nun aber trotzdem! Foto: Martin Stollberg
Das Gottlieb-Daimler-Gymnasium in Bad Cannstatt musste wegen eines multikulturellen Festes einen Shitstorm im Internet ertragen. Gefeiert wird nun aber trotzdem! Foto: Martin Stollberg

Stuttgart - Es gehört zu den nur schwer erträglichen Auswüchsen des Internetzeitalters, dass sich die Absender von Beleidigungen und Bedrohungen hinter Fantasienamen verbergen können. Dabei fallen oft nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks. Bisweilen geht es sogar um Straftatbestände. Gerade die Internetseite „Politically Incorrect“ fällt immer wieder als Plattform für eine perfide Jagd auf Menschen auf, die sich für eine multikulturelle Gesellschaft oder gegen rechtsradikales Gedankengut einsetzen. Mit der Veröffentlichung von Fotos und Kontaktdaten haben die Macher der Seite eine moderne Art von Pranger aufgestellt und ihre Leser dazu eingeladen, die dort aufgeführten Personen mit Jauche zu überschütten.

Dass die Rektorin des Gottlieb-Daimler-Gymnasiums die „multikulturelle Feier zum Fest der Werte“ nun trotzdem stattfinden lässt, ist die einzig richtige Antwort auf diesen Sturm von Verbalfäkalien. Verhängnisvoll ist aber, dass die Schulleitung zunächst die Veranstaltung absagen wollte. Damit hätte die Rektorin ein emotional zwar verständliches, aber dennoch fatales Zeichen gesendet. All die zynischen Kommentatoren von „Politically Incorrect“ hätten dann jubilieren können. Doch auch so ist die Situation schlimm genug. Die Ewiggestrigen haben ein wesentliches Ziel erreicht: Über ein Fest, das sie mehr oder weniger als das Ende des christlichen Abendlands diffamiert haben, wird geredet, weil sie aktiv geworden sind. Allein dieses Siegesgefühl wird ihnen Auftrieb geben; sie werden weiter versuchen, ihre Überzeugungen mit Einschüchterungen zu untermauern. Diesem Druck darf sich eine wehrhafte Demokratie nicht beugen – nicht in der Politik, nicht in der Schule, nicht in der Kirche, nicht in den Medien.

Dieser Kommentar erscheint in der StZ-Printversion deswegen ganz bewusst mit dem Bild des Autors. Und wer sich dazu äußern will, muss nicht über die Internetseite „Politically Incorrect“ gehen, sondern darf mir ganz direkt die Meinung schreiben. Meine E-Mail-Adresse lautet: h.gayer@stz.zgs.de

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