„So eine Kacke: Pannen-Freibad muss wieder schließen“, titelte zuletzt das Nachrichtenmagazin „Stern“. Und die Bild-Zeitung schrieb vom „Vogel-Kot-Alarm im Freibad“. Herrenberg hat es bundesweit in die Medien geschafft – leider nicht mit einer erfreulichen Meldung, sondern mit seinem „Pannen-Freibad“. Schlimm genug, dass sich die Freibadgänger über die häufigen Schließungen ärgern, längst schadet das Bakterien-Desaster auch dem Ansehen der Stadt. Doch die Verantwortlichen bleiben hartnäckig und rücken nicht vom eingeschlagenen Kurs ab. Dabei passt hier einiges schlichtweg nicht zusammen – und das ist nicht nur die Schuld der Herrenberger Freibadmacher.
Kaum eine Saison seit der Eröffnung 2015 verlief störungsfrei. Zunächst machte vor allem der Pfützenkeim, Pseudomonas aeruginosa, mächtig Ärger. 2017 wurden die Filter ausgetauscht, und dennoch waren immer wieder die Werte zu hoch. Auch andere Naturbäder kennen diese Probleme. Ob Gaggenau, Ottenhöfen im Schwarzwald oder Albstadt-Tailfingen – die Filtertechnik ohne Chlorreinigung braucht viel Fingerspitzengefühl, und gelegentlich kommt es auch zu Schließungen. Aber in der Häufigkeit wie in Herrenberg? Da steht die Gäustadt mit Abstand ganz vorne im Pannen-Ranking.
Die aktuelle Saison schlägt dem Fass den Boden aus – wobei nun weniger der Pfützenkeim das Problem ist. Für vier der insgesamt fünf Schließungen ist nun das Darmbakterium Escherichia Coli verantwortlich. Die Ursache für die Grenzwertüberschreitungen liegt sehr wahrscheinlich bei Teichhühnern, die sich seit Saisonbeginn auf dem Gelände befinden. Jetzt treiben also diese streng geschützten Wasservögel den Verantwortlichen die Sorgenfalten auf die Stirn. Doch die Naturbadmacher lassen sich nicht unterkriegen und wollen schnellstmöglich erneut öffnen, sobald die Werte wieder passen – doch ist das sinnvoll? Wie lange dauert es bis zur nächsten Schließung?
Was läuft falsch in Herrenberg? Das ist im Detail kaum zu beantworten. Aus anderen Naturbädern ist zu hören, dass man schlichtweg „sehr aufmerksam“ sein müsse, um die Belastung im Griff zu haben, und dass viel Erfahrung nötig sei. Die wiederum müssten die Herrenberger ja inzwischen reichlich haben. Kaum vorwerfen kann man den Stadtwerken, die das Freibad betreiben, sie seien nicht engagiert. Die Beprobungen finden häufig statt, die Reaktion auf entsprechende Ergebnisse erfolgt prompt – manchmal vielleicht sogar zu prompt, wenn arg kurz hintereinander geöffnet und geschlossen wird.
Dabei lohnt auch ein Blick auf die Grenzwertthematik. Denn diese Werte bestimmen über Wohl und Wehe der Naturbäder. 100 Koloniebildende Einheiten (KBE) pro 100 Milliliter dürfen im Fall der Coli-Bakterien im Wasser enthalten sein, beim Pfützenkeim sind neuerdings sogar nur 10 KBE erlaubt – diese engen Vorgaben schweben wie ein Damoklesschwert über den Bädern. Da bleibt die Frage, ob diese Grenzwerte tatsächlich so niedrig sein müssen oder ob sie nicht übervorsichtig gesetzt sind und speziell bei Naturbädern der gesteckte Rahmen etwas lockerer sein dürfte. Diese Anforderungen ständig zu erfüllen, überfordert die Filtertechnik ganz offensichtlich.
Reicht es, die Teichhuhnfamilie umzusiedeln? Wohl kaum. Zu oft war man in Herrenberg der Ansicht, die wesentliche Probleme ausgeräumt und nun alles im Griff zu haben – zu oft stand die nächste Schließung bereits vor der Tür. Die Verantwortlichen müssen zu einer vernünftigen und langfristig tragfähigen Lösung kommen, das andauernde Hin und Her hat keine Zukunft. Auch wenn die Umrüstung viel Geld kosten würde, darf auch der Umbau zum konventionellen Bad kein Tabu sein – nicht nach dieser Saison.