Kommentar zum Neckarpark Ball flach halten

Das Güterbahnhofareal in Bad Cannstatt. Foto: Michael Steinert
Das Güterbahnhofareal in Bad Cannstatt. Foto: Michael Steinert

Über den Verzicht auf Wohnungsbau auf dem Güterbahnhofareal muss geredet werden, meint StZ-Redakteur Jörg Nauke.

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Stuttgart - Seit fast zehn Jahren plant die Stadt, auf dem ehemaligen Güterbahnhofgelände einen Mix von Gewerbe und Wohnen zu etablieren. Dafür gab es bisher eine solide Gemeinderatsmehrheit. Das hat sich nun geändert: CDU, Freie Wähler und FDP plädieren dafür, auf dem Gelände der einstigen „vereinigten Hüttenwerke“ Wohnungsbau zu unterlassen. Die Stimmen dieser Fraktionen reichen zwar nicht aus, die bisher befürwortete Planung zu stoppen, da die Mehrheit von Grünen, SPD und SÖS keinen Grund dafür sieht; allerdings böte es sich an, dass die als Lackmustest für die Besiedlung des Stuttgart-21-Geländes hinterm Bahnhof gedachte Entwicklung eine solide politischen Grundlage erhält.

Der bürgerliche Block erteilt dem Wohnungsneubau nun eine Absage, weil ihm – offenbar erfolgreich – von den etablierten Nachbarn – VfB Stuttgart, Hallenchefs und Wasenbeschicker – suggeriert wurde, ihnen drohte das Aus, falls Neubewohner im Neckarpark auf die Idee kämen, ihr Ruhebedürfnis einzuklagen. Diese Sorge ist freilich schon deshalb berechtigt, weil schon heute den Nachbarn – vom Seelberg bis zum Stadtteil Berg – in der relevanten Zeit von 22 Uhr an großes Verständnis für eine bis an die Maximalgrenze heranreichende Beschallung abverlangt wird. Sowohl der VfB als auch die Festzeltbetreiber täten deshalb gut daran, ihre Lärmpegel zu senken – als Prävention sozusagen.

Politisch wird man der Bedeutung des Themas nicht gerecht, wenn man schon vor der Diagnose ankündigt, aus Angst vor dem Tod Selbstmord zu begehen. Der Selbsterhaltungstrieb von Fußballverein, Konzertveranstalter, Hallenbetreiber und Festwirten in allen Ehren; besser wäre es aber, den Ball flach zu halten – das gilt auch für die Parteien. Vor der Entscheidung, sich gegen die Wohnungsbaupläne auszusprechen, sollten erst die Gutachten bewertet werden. Alle Beteiligten müssten doch ein Interesse daran haben, dass im Neckarpark auch künftig Brot und Spiele möglich sind.




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