Kommentar zum OB-Kandidaten Starthilfe

Von Jörg Nauke 

Die CDU ist zerstritten, die SPD ratlos – der grüne OB-Kandidat Fritz Kuhn hat gute Chancen. Doch er steht vor vielen Herausforderungen, meint Jörg Nauke.

Fritz Kuhn erwischt einen guten Start als OB-Kandidat der Grünen. Foto: dapd
Fritz Kuhn erwischt einen guten Start als OB-Kandidat der Grünen. Foto: dapd

Stuttgart - Besser als Sebastian Turner hätte das auch der Grünen-Wahlkampfrat nicht planen können: Pünktlich zur Nominierung seines Oberbürgermeister-Kandidaten Fritz Kuhn teilte der Rivale aus dem CDU-Lager und Werbeprofi mit, in einer auch noch von ihm selbst bezahlten Umfrage liege Kuhn in der Gunst der Stuttgarter vorne. Dass er vom politischen Gegner kostenlose Starthilfe erhalten würde, hätte der im Berliner Parlamentsgewitter gestählte Politprofi wohl nicht zu hoffen gewagt. Stuttgart ist eben immer für eine Überraschung gut. Das gilt zwar auch für seine Parteifreunde, die ab und an unter Basisdemokratie verstehen, ihre erfolgreichsten Protagonisten vorzuführen. Gestern behielten sie allerdings brav das Fernziel im Auge, das magische Dreieck zu vervollständigen und stärkten ihrem Mann mit einem fast einstimmigen Votum den Rücken. Welch eine Aussicht: die stärkste Fraktion im Rathaus stellen sie schon, dazu im Land den Ministerpräsidenten. Fehlt also nur noch der Posten des ersten grünen OB einer Großstadt.

Das ist aber trotz des Umfragevorsprungs und der politischen Kompetenz Kuhns keinesfalls sicher. In einem halben Jahr kann viel passieren, das zeigt ein kurzer Blick zurück (bis zur Volksabstimmung). Ruhm ist vergänglich. Auch wenn es derzeit so ausschaut, als ob die CDU in nächster Zeit vor allem mit sich selbst beschäftigt sein wird - von der SPD ganz zu schweigen – ist Kuhn nicht frei von Herausforderungen. Er wird etwa den Bürgern die Wirkungen grünen Regierungshandelns erklären müssen. Das dürfte nicht immer lustig werden. Für einen von den Grünen sträflich unterschätzten Wähleranteil werden so genannte konstruktive Entscheidungen zu S 21 von Belang sein. Sollten diese beispielsweise darin bestehen, weiter die Augen vor Fehlern bei der Planung der Bahn zu verschließen und Kostensteigerungen zu ignorieren, bräuchte Fritz Kuhn wohl erneut die Hilfe eines Werbeprofis.