Stuttgart - Die Saison 2019/20 ist im März zu Ende gegangen. Gut vier Monate haben ihr zur Vollendung gefehlt – was für ein ganz normales Opernhaus bedeutet, dass zwei bis drei der geplanten Premieren nicht stattfinden konnten. Festivals: ausgefallen. Bayreuth hat seinen „Ring des Nibelungen“ auf 2022 verschoben und das sonst im Juli summende und brummende Festspielhaus zugesperrt. Die 100. Salzburger Festspiele fanden nur in einer Light-Version statt. Um das Publikum zu (unter-)halten, hat man die Kunst ins Internet verlagert und gestreamt, was immer sich streamen ließ. Livetheater indes gab es bis auf ein paar kleine Formate im Freien überhaupt nicht.
Nun haben Kritiker entschieden: Den Titel „Opernhaus des Jahres“ teilen sich die Institutionen in Frankfurt und Genf, den Titel „Dirigent des Jahres“ Kirill Petrenko (dessen Bayerisches Staatsorchester erneut „Orchester des Jahres“ ist) und Titus Engel. Letzteren kann man immer wieder auch in Stuttgart erleben, und überhaupt darf sich auch die Staatsoper der Landeshauptstadt freuen, denn ihr Staatsopernchor wurde bereits zum 13. Mal zum besten unter seinesgleichen gekürt. Stuttgarter Wurzeln hat auch die Sängerin des Jahres, Marlis Petersen, die an der hiesigen Hochschule studierte.
Die Preise sind für die ausgezeichneten Häuser und Künstler Anerkennung und Ansporn; außerdem tragen sie mit dazu bei, die Bedeutung von Musiktheater in der Gesellschaft präsent zu halten. Aber angesichts der langen, Corona-bedingten Schließzeiten hinterließen schon die Schauspiel-Voten des Magazins „Theater heute“ einen schalen Beigeschmack, und diesen verspürt man mit den „Opernwelt“-Preisen nun erneut. Das Magazin selbst etikettiert die Corona-Saison 2019/20 schlicht als „unvollendet“. Ob dieses Wort angesichts eines um etwa ein Drittel amputierten Spielplans angemessen ist, darf angezweifelt werden. Mutiger wäre es gewesen, für eine Runde aus dem jährlichen Preisritual auszusteigen. Und 2021 dafür dann umso kraftvoller zu beweisen: Die Oper ist zurück – und wie!