Kommentar zum Parteitag der AfD Partei ohne klare Hierarchie

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Die AfD kürt das Wahlkampf-Spitzenteam: Doch neue Köpfe machen keinen Neuanfang, meint unser Redakteur Roland Pichler.

Die zwei AfD-Spitzenkandidaten für den Bundestagswahlampf: Alice Weidel und Alexander Gauland Foto: AFP
Die zwei AfD-Spitzenkandidaten für den Bundestagswahlampf: Alice Weidel und Alexander Gauland Foto: AFP

Köln - Wieder einmal führt die Alternative für Deutschland (AfD) vor Augen, wie schnell ihr Führungspersonal in Ungnade fallen kann. Vor zwei Jahren war es der Parteigründer Bernd Lucke, den die AfD loswerden wollte. Die jetzige Vorsitzende Frauke Petry betrieb damals maßgeblich seinen Sturz voran. Mit dem Kölner Parteitag muss die AfD-Vorsitzende Frauke Petry nun zumindest als angezählt gelten. Das schon deshalb, weil ihr der Parteitag in wichtigen Fragen nicht mehr folgen wollte. Mit der Wahl eines neuen Spitzenteams, dem Petry nicht angehört, kürte die AfD neue Frontleute. Das gilt formal zwar nur für die Wahl. Bei einem Einzug in den Bundestag im September wird dieses Spitzenteam aber einen weitergehenden Führungsanspruch ableiten. Frauke Petry, bisher das bekannte Gesicht der Partei, rückt in den Hintergrund.

Ob das Spitzenteam der AfD die Erwartungen erfüllt, muss sich erst zeigen. Die junge Partei ist in den vergangenen zwei Jahren eindeutig nach rechts gerückt. Von der Partei der wirtschaftspolitischen Vernunft ist nicht mehr viel zu spüren. Das liegt auch daran, dass der einst so starke Wirtschaftsflügel der AfD deutlich geschwächt ist. Viele der Professoren, die bei Parteigründung dabei waren, haben sich längst verabschiedet. Der Partei mangelt es hier an Gallionsfiguren. Die junge Ökonomin Alice Weidel aus dem baden-württembergischen Landesverband ist eine der letzten Aushängeschilder für die ökonomische Kompetenz. Sie wird zusammen mit dem Bundesvize Alexander Gauland das Spitzenteam bilden.

Alice Weidel hat sich wirtschaftspolitisch profiliert

Das ist aus parteiinterner Sicht eine gute Wahl. Gauland ist zwar nicht unumstritten, verfügt aber in der Außenpolitik über profundes Wissen. Weidel hat sich wirtschaftspolitisch profiliert. Die 38-jährige Frau lebt in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung und verkörpert den liberal-konservativen Flügel. Ob dieses Duo Erfolg hat, wird auch davon abhängen, wie sich die beiden Protagonisten abstimmen. Ob sie tatsächlich mit einer Sprache sprechen, ist fraglich. Die Querschüsse, die es in den Vergangenheit gegeben hat, sind jedenfalls mit dem Spitzenteam nicht aus der Welt.

Zusätzliche Verwirrung stiftet diese Aufstellung aus einem anderen Grund. Die AfD hat die beiden Bundesvorsitzenden Petry und Meuthen und jetzt noch ein Spitzenteam. Eine klare Hierarchie sieht anders aus. Wer in der Partei etwas zu sagen hat, ist noch nicht ausgemacht. Mit dieser Aufstellung ist die AfD jedenfalls in der Parteienlandschaft einmalig. Das muss zwar kein Nachteil sein. Doch die bisherigen Erfahrungen in der Führung weisen jedenfalls darauf hin, dass es mit der Eintracht nicht weit her ist. Die Leitung der Rechtspartei ist von vornherein ein Experiment mit offenem Ausgang.

Neue Köpfe machen noch keinen Neuanfang. Wegen der nationalistischen Töne hat die AfD für bürgerliche Wähler an Anziehungskraft verloren. Das zeigt sich in gesunkenen Umfragewerten. Ob das Spitzenteam diese Entwicklung umkehren kann, ist unwahrscheinlich.