Kommentar zum Putschversuch Rückschlag für Äthiopien

Ministerpräsident Abiy Ahmed zeigte sich im Fernsehen in Armeeuniform. Foto: dpa

Das Musterland Äthiopien schafft nur mühsam die Loslösung vom autokratischen Staat – und ein Putschversuch wirft es erneut zurück, meint Christoph Link.

Stuttgart - Seit gut einem Jahr ist der als Super-Reformer gefeierte Präsident Abiy Ahmed in Addis Abeba im Amt, und er versucht mutig, das seit Jahrhunderten unter Kaisern, einem kommunistischen Terrorregime und seit 1991 von der faktischen Einheitspartei EPRDF autoritär, planwirtschaftlich und zentral regierte Äthiopien zu liberalisieren: Friedensschluss mit dem Nachbarn Eritrea, Zulassung von Oppositionsgruppen, Freilassung politischer Gefangener.

 

Doch es scheinen die im Militär verankerten Kräfte des Ancien Regime zu sein, denen der Kurs nicht passt. Es geht um Pfründe, die verloren gehen, und um die Säuberung der Armee von korrupten Offizieren im vergangenen Jahr. Die tödlichen Attentate vom Wochenende – auf den Armeechef und einen Regionalpräsidenten, die Abiy Ahmed nahestanden– zeigen das Risiko, das der junge Präsident eingeht. Äthiopien, das eine der höchsten Wirtschaftswachstumsraten Afrikas aufweist und als Modellstaat gilt, steht noch am Abgrund. Seit Abiy Ahmed den harten Griff des Staates lockert, entladen sich auch die ethnischen Spannungen des aus 80 Volksgruppen bestehenden Landes. Doch die Rückschläge dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Abiy Ahmeds Weg zu einer Demokratisierung des zweitbevölkerungsreichsten Landes Afrikas ist richtig.

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