Kommentar zum S-Bahn Gipfel Bahn muss jetzt auch Wort halten

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Gerade wenn die meisten Fahrgäste unterwegs sind, hat die Qualität der S-Bahn in den vergangenen Monaten in einem Maß nachgelassen, das nicht mehr akzeptabel ist. Grundlegende Verbesserungen sind nötig, sagt StZ-Autor Thomas Durchdenwald.

Der S-Bahn Krisengipfel ist ein erster Schritt, doch jetzt muss die Bahn auch zu ihren Versprechungen stehen. Foto:  
Der S-Bahn Krisengipfel ist ein erster Schritt, doch jetzt muss die Bahn auch zu ihren Versprechungen stehen. Foto:  

Stuttgart - Nach dem S-Bahn-Gipfel werden sich viele Fahrgäste des Nahverkehrs fragen: Ist das Glas nun halb voll, oder ist es halb leer? Wer sich von der Sondersitzung des regionalen Verkehrsausschusses am Mittwochnachmittag erwartet hatte, dass neue Lösungen präsentiert und umgesetzt werden, die die Misere der S-Bahn in der Region dauerhaft und rasch beheben, der muss enttäuscht sein. Allerdings: diese Erwartungen waren und sind unrealistisch, das System der sechs auf die Landeshauptstadt zentrierten Linien ist so komplex, dass es das eine Wundermittel nicht gibt, nicht geben kann.

Der Gipfel hat geleistet, was er zu leisten imstande war. Er hat die Schwierigkeiten des S-Bahn-Systems, das täglich von mehr als 360 000 Menschen genutzt wird, zusammenfassend auf den Tisch gelegt. Und er hat die Verantwortlichen bei der Bahn und beim Verband Region Stuttgart, die sich allzu lange intern gegenseitig schonten und die zurecht erzürnte Öffentlichkeit mit unsäglichen Vertröstungen hinhielten, gezwungen, die Probleme schonungslos zu benennen und sich ihnen zu stellen. Das kommt spät, aber nicht zu spät.

Grundlegende Verbesserungen sind nötig

Allen Beteiligten muss nun klar sein, dass es so nicht weitergehen kann. Gewiss: Schwarzmalerei hilft nicht weiter, aber gerade im Berufsverkehr und in den Hauptverkehrszeiten, also dann, wenn die meisten Fahrgäste unterwegs sind, hat die Qualität der S-Bahn in den vergangenen Monaten in einem Maß nachgelassen, das nicht mehr akzeptabel ist. Die peinlichen Pannen des ET 430 sind nur ein Auslöser, die Fehler sitzen tiefer: die überlastete Stammstrecke und die von der Bahn nur unzureichend in Stand gehaltene Infrastruktur. Dass mit technischen Modifikationen und personellem Einsatz die Ein- und Ausstiegszeiten verkürzt werden sollen, kann wie die sukzessive Rückkehr des ET 430 nur ein erster Schritt sein.

Grundlegende Verbesserungen sind nötig, gerade solche, die die Bahn, die vertraglich zu einem qualitätsvollen Verkehr verpflichtet ist, auch Geld kosten. Die Bahn, das zeigen Beispiele wie die Mainzer Stellwerkmisere, reagiert nur auf Druck, den die Region endlich auszuüben gedenkt – auch finanziell. Deshalb war der S-Bahn-Gipfel sinnvoll und notwendig. Doch jetzt müssen die Versprechungen umgesetzt werden.




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