Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Keine Frage: vorrangig muss die Bundesregierung die Nachbarn Syriens mit Geld, Material und Experten unterstützen, damit sie die Not an ihren Grenzen selbst in den Griff bekommen. Von dort aus können die Syrer zügig zurückkehren, wenn die Waffen ruhen. Um die Aufnahme von mehr Flüchtlingen kommt Deutschland jedoch nicht herum. Dazu ist Berlin auf die Länder und Kommunen angewiesen, die ausreichend Unterkünfte bereitstellen müssen.

Zurückgreifen lässt sich auf Erfahrungen, die vor vier Jahren im Fall Irak gemacht wurden. Notwendig ist ein schneller Ausbau der schon jetzt überlasteten Aufnahmestellen. Eine langwierige Debatte über rechtliche Voraussetzungen für die Einreise, über Religionszugehörigkeiten und die Frage, wie viele Flüchtlinge eine sichere Bleibe finden sollen, wäre inhuman. Auch wer auf ein abgestimmtes Vorgehen Europas pocht, will womöglich nicht wirklich helfen, sondern auf Zeit spielen.

Viele Flüchtlinge gehen freiwillig zurück

Die Sorge vor einer Welle von Asylanträgen lässt sich dämpfen: Auch aufgrund von Förderprogrammen kehren viele Flüchtlinge der Bundesrepublik in absehbarer Zeit freiwillig den Rücken – zumal die Syrer nicht wegen eines besseren Lebens das Weite suchen, sondern aus nackter Angst. Es mag pathetisch erscheinen, doch der Syrienkonflikt lehrt: Die Welt darf nicht nur von wirtschaftlichen Beziehungen zusammengehalten werden, sondern muss sich auch in Notsituationen wie dieser als eine geeinte Welt erweisen – daran mangelt es.

Lesen Sie mehr zum Thema

Guido Westerwelle Libanon Irak