Das deutsch-französische Gemeinschaftsprojekt kann durchaus eine positive Bilanz vorweisen. Doch Bahn und SNCF müssen noch mehr Franzosen an Neckar und Isar locken, meint der StZ-Redakteur Mathias Bury.
Stuttgart - Deutschland hat zu Frankreich von jeher ein besonderes Verhältnis in Europa, und das im Guten wie im Schlechten, das zeigt die lange kriegerische Geschichte beider Länder. Schon deshalb ist es ein historisches Ereignis gewesen, als vor fünf Jahren der erste französische Schnellzug TGV in den Stuttgarter Hauptbahnhof eingefahren ist.
Nach dieser Zeit kann man eine erste, durchaus positive Bilanz des deutsch-französischen Gemeinschaftsprojektes ziehen. Der Train à grande vitesse hat dem Flugzeug auf der Verbindung zwischen Stuttgart und Paris einen erheblichen Marktanteil abgejagt. Damit ist auch erwiesen, dass die Schiene dem nicht eben umweltfreundlichen Luftverkehr bis zu einer bestimmten Reichweite die Stirn bieten kann.
Ob man auch schon von einer Renaissance der Eisenbahn durch den Hochgeschwindigkeitsverkehr sprechen kann, wie man dies bei der Bahn tut, ist aber noch nicht ausgemacht. Immerhin bauen die deutsch-französischen Partner ihre Angebote weiter aus, seit dem Frühjahr gibt es zum Beispiel auch eine Verbindung von Frankfurt nach Marseille.
Die Route von der Seine an den Neckar und weiter an die Isar hat einstweilen noch Entwicklungspotenzial. Die Stuttgarter können sich freuen, dass sie jetzt ein Schienenangebot haben, das es ihnen ermöglicht, sogar mal schnell für einen Tag die Schönheiten der Weltstadt Paris zu genießen. Angesichts der Qualitäten, die auch die hiesige Region zu bieten hat, und nicht zuletzt wegen der gewünschten stärkeren Annäherung der Menschen beider Länder ist das Planziel aber erst erreicht, wenn noch mehr Franzosen zu uns finden.