Kommentar zum Tübinger OB Boris Palmer In Wildwestmanier

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Boris Palmer spielt sich als Ordnungshüter auf, um gegen eine Pöbelei vorzugehen. Das ist maßlos und einem Allmachtsgefühl geschuldet. Ein Kommentar von Christine Keck

Boris Palmer fühlt sich chronisch missverstanden – vor allem von der Presse. Foto: dpa
Boris Palmer fühlt sich chronisch missverstanden – vor allem von der Presse. Foto: dpa

Tübingen - Es hat mit dem Vater zu tun, sagen die einen. Sie nehmen Boris Palmer als Sohn eines schwäbischen Provokateurs, der sich ständig mit den Obrigkeiten angelegt hat, in Schutz. Er könne eben nicht anders. Den Tübinger Oberbürgermeister gebe es nur mit Ecken und Kanten, so scharf, dass sie oft wehtun.

Es hat mit dem Allmachtsgefühl zu tun, sagen die anderen und kreiden dem Rathauschef Maßlosigkeit im Amt an. Palmer spielt sich zum Tübinger Sheriff auf. Ins Wildwest-Schussfeld gerät ein Student mit losem Mundwerk.

Bei Palmer verquickt sich das schwäbische Revoluzzer-Gen in einer unguten Mischung mit Selbstüberschätzung und mangelnder Kritikfähigkeit. So wohltuend es einerseits ist, wenn sich Politiker nicht nur in Sprechblasen bewegen und sagen, was sie denken, so abschreckend ist es andererseits, wenn ein Rathauschef von der Idee getrieben ist, dass alle ihm zuhören, sich den Debatten mit ihm stellen müssen.

Die Frage ist: Wer hat in der Tübinger Altstadt wen gestalkt? Die Frage ist: Wie ist es um einen Oberbürgermeister bestellt, der einen Studenten mit dem Zücken seines Dienstausweises einschüchtern will? Boris Palmer hat schon viele Wandlungen hinter sich, wandelt er sich jetzt vom Demokraten­ zum Autokraten, der sich von allen immer missverstanden fühlt? Allen voran von der Presse?