Kommentar zum Verbrauchertag Verbraucher im Stich gelassen

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Die Politik geißelt die Skandale, belässt es aber oft bei Mahnungen und Plänen. Nun sind Taten gefragt, denn die Vertrauenskrise ist tief und nachhaltig, kommentiert StZ-Redakteur Thomas Wüpper.

Pferde- statt Rindfleisch in der Lasagne: Diese und andere Lebensmittelskandale haben das Vertrauen der Verbraucher erschüttert. Foto: dpa
Pferde- statt Rindfleisch in der Lasagne: Diese und andere Lebensmittelskandale haben das Vertrauen der Verbraucher erschüttert. Foto: dpa

Berlin - Zum Deutschen Verbrauchertag in Berlin kam viel politische Prominenz. Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trug auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück sein Wahlprogramm zur besseren Kontrolle der Finanzmärkte vor. Kein Wunder: in wenigen Monaten ist Bundestagswahl, und der Verbraucherschutz wird angesichts sich häufender Finanz- und Lebensmittelskandale zu einem immer wichtigeren Thema.

Schöne Reden auf Kongressen jedoch helfen so wenig gegen verbreitete Missstände wie große Versprechen in Wahlprogrammen der Parteien. Taten sind gefragt, denn die Vertrauenskrise ist tief und nachhaltig. Viele Verbraucher fühlen sich von der Politik im Stich gelassen. Und das zu Recht: die Interessen der Bürger an einer wieder besseren Überwachung der deregulierten Märkte werden viel zu wenig ernst genommen. Meist setzt sich die mächtige Lobby der Wirtschafts- und Unternehmensinteressen im globalisierten Wirrwarr der Zuständigkeiten, Bürokratien und Organisationen durch. Auch Verbraucherministerin Ilse Aigner reagiert auf jeden neuen Lebensmittel- oder Finanzskandal zwar mit neuen Mahnungen und Plänen, aber wie wenig dann in der Folge passiert, lässt sich am zaghaften Handeln seit der Finanzmarktkrise oder immer neuen Dioxin-, Hormon- oder Pferdefleischskandalen ablesen. Hier wie da fehlen Kontrollen und Marktwächter, die wirklich funktionieren und ihren Namen verdienen.

Ministerin Aigner empört sich zwar gerne öffentlich über sogenannte Finanzberater, die skrupellos selbst einem 84-Jährigen eine hochriskante Beteiligung an einem Schiffsfonds als „sichere Altersvorsorge“ andrehen. Aber niemand anderes als die Bundesregierung kann und sollte solche Missstände beseitigen, zum Beispiel durch strengere Vorschriften für Beratungsprotokolle, eine verschärfte Beraterhaftung, wirkungsvolle Finanzmarktwächter und gestärkte Verbraucherrechte zur schnellen Rückabwicklung solcher Verträge. Die neue Studie der Verbraucherzentralen zeigt allerdings auch, dass gerade in Finanzdingen viele Verbraucher zu gutgläubig sind. Als aufgeklärter Bank-, Fonds- oder Versicherungskunde sollte man seinem Berater nicht blind vertrauen und vielmehr wissen, dass häufig genug nur provisionsgesteuerte Verkäufer auf einen für sie lukrativen Vertragsabschluss gieren.

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