Der Klassenverbleib ist gesichert. Und es gibt leise Anzeichen, dass der VfB in der neuen Saison nicht wieder abstürzt, meint StZ-Redakteur Marko Schumacher.

Sport: Marko Schumacher (schu)

Stuttgart - Der Abstieg schien besiegelt an jenem stürmischen Februarsamstag, abends um viertel nach sieben. Mit 0:2 lag der VfB beim Tabellenschlusslicht Mönchengladbach zur Pause zurück und war zu diesem Zeitpunkt seinerseits Letzter, mit 16 Punkten aus 21 Spielen. Es kam anders, wie man weiß, der VfB gewann noch 3:2 - und sicherte sich am Samstag vorzeitig den Klassenverbleib. Versöhnlich geht nun also die Saison zu Ende, wieder einmal.

Der VfB ist in einer vergleichbaren Situation wie in den vergangenen zwei Jahren. Auch damals folgte auf den Absturz in der Hinrunde jeweils eine atemberaubende Aufholjagd; auch damals waren in Markus Babbel und Christian Gross neue Trainer am Werk, die sich am Ende ausgiebig feiern lassen durften, so wie jetzt Bruno Labbadia. Beide Male jedoch kehrte der Frust schnell zurück nach Stuttgart. Nächste Saison, hoffen alle, werde es anders kommen - und dafür gibt es zumindest leise Anzeichen.

Labbadia geht unbelastet in seine zweite Saison

Das Problem bei Babbel war, dass er die Fußballlehrer-Ausbildung machen musste. Und Gross brachte sich selbst um den Job, indem er schon vor Saisonbeginn offen seinen Frust darüber demonstriert hatte, nach dem Wechsel des Managers Horst Heldt nicht mehr Macht bekommen zu haben. Labbadia hingegen geht unbelastet in seine zweite Saison - und weiß um die große Chance, seinen Ruf loszuwerden, nur kurzfristig Erfolg haben zu können.

Es ist bei der Suche nach neuer Stabilität vermutlich auch hilfreich, dass der VfB diesmal nicht international vertreten ist und sich ganz auf die Liga konzentrieren kann. Glaubhaft erklären die Verantwortlichen zudem, endlich die nötigen Einschnitte innerhalb der Mannschaft vornehmen zu wollen - auch das ist ein Unterschied. Und dass auf dem Präsidentenstuhl ein Wechsel bevorsteht, eröffnet ebenfalls neue Chancen - zumindest dann, wenn der machtbewusste Aufsichtratschef Dieter Hundt dazu bereit ist, dem Nachfolger von Erwin Staudt mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu geben.

Und schließlich muss es nicht zwingend ein Nachteil sein, dass für Neuverpflichtungen kein großes Geld zur Verfügung steht. Einerseits hat gerade der VfB in den vergangenen Jahren demonstriert, wie man viele Millionen Euro wirkungslos verpulvern kann. Andererseits haben in dieser Saison kleinere Clubs wie Hannover, Mainz oder Nürnberg gezeigt, wie man auch mit schmalem Geldbeutel erfolgreich sein kann. Der VfB sollte sich also auf das rückbesinnen, was ihn starkgemacht hat, er sollte wieder seine Identität als Ausbildungsverein schärfen. Und das erfordert nicht viel Geld, sondern vor allem eines: ein klares Konzept.

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