Kommentar zu Trumps Wahlsieg Schlimmster Fall eingetreten

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Der Populismus hat über die Vernunft gesiegt. Wenn Donald Trump den Amtseid als Präsident geschworen hat, werden wir die Vereinigten Staaten bald nicht wieder erkennen, kommentiert unser USA-Korrespondent Damir Fras.

Enttäuschung bei den Demokraten in den USA. Foto: AFP
Enttäuschung bei den Demokraten in den USA. Foto: AFP

Washington - Der schlimmste aller denkbaren Fälle ist eingetreten. Der Trumpismus hat gesiegt. Die Amerikaner haben einen Populisten zum Nachfolger von Präsident Barack Obama gewählt. Donald Trump schwört Ende Januar den Amtseid auf den Stufen des Kapitols in Washington. Wenn sich der Mann nur halbwegs an seinen Parolen aus dem Wahlkampf orientiert, dann werden wir die Vereinigten Staaten von Amerika schon bald danach nicht mehr wieder erkennen.

Der Milliardär hat sich und seinen Anhängern in den vergangenen anderthalb Jahren des Wahlkampfes eine eigene Realität geschaffen, in der sich Inhaltsleere, Hetze, Verschwörungstheorien und Fremdenfeindlichkeit breit gemacht haben. Es ist schwer bis unmöglich, die Politik Trumps im Weißen Haus vorher zu sagen. Er ist kein Politiker, der mit Programmen hausieren geht. Er hat keinen Plan, er redet nur andauernd von Plänen.

Lupenreiner Populist

Der Narzisst aus New York ist ein lupenreiner Populist, der seinen Anhängern mal dieses, mal jenes verspricht. Im Wahlkampf hat er beständig die Fakten verdreht und gelogen. Er hat Wahrheit und Wunschvorstellung miteinander verwoben.

Es ist kaum fassbar, dass er die Wahl zum Präsidenten gewonnen hat. Aber leider wahr. Trumps Gebaren im Wahlkampf gibt also keinen Anlass zur Hoffnung, dass er sich anders gerieren wird, wenn er erst einmal am Schreibtisch im Oval Office sitzt.

Brandgefährliche Vorhaben

Trump will in den ersten drei Monaten seiner Amtszeit das Land komplett umkrempeln. Er will das Rad nicht nur zurückdrehen, er will es neu erfinden. Er will eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen und illegale Einwanderer abschieben. Er will Flüchtlingen aus Staaten, in denen er Terroristen ausgemacht hat, die Einreise in die USA verbieten. Er will Zahlungen für Klima-Programme der Vereinten Nationen einstellen, will den Nato-Vertrag verändern, den Atom-Deal mit dem Iran neu verhandeln. Handelskriege drohen, Tiefschläge für die Weltwirtschaft. Das ist sind nicht bloß radikale Vorhaben. Sie sind brandgefährlich.

Nun könnte man sagen: So schlimm wird es schon nicht kommen. Außerdem sind die USA weit weg. Doch das hieße, die Augen vor der Bedrohung zu verschließen. Ein kleines und unbedeutendes Land, das sich einigelt, würde das globale Gefüge nicht durcheinander bringen. Doch die USA sind die einzig verbliebene Supermacht. Und diese Supermacht wird nun den Weg in die selbstgewählte Isolation einschlagen, wenn Trump seine Parolen in Politik verwandelt. Das kann dem Rest der Welt nun wirklich nicht egal sein. Ob man es mag oder nicht: Die Welt braucht ein engagiertes Amerika, kein Amerika, das der Angst nachgibt und nur noch an sich selbst interessiert ist.

Sieg über die Vernunft

Zudem wird der Sieg des Populismus über die Vernunft in den USA Nachahme-Effekte haben. Der Ausgang der US-Wahl wird von Populisten weltweit zum Vorbild genommen werden. Sie werden sagen: Wenn selbst in einem Land, das sich bislang als äußerst stabile Demokratie ausgezeichnet hat, ein Demagoge mit simpler Botschaft an die Spitze des Staates gewählt wird, wird uns das zu Hause auch gelingen. Es braucht nicht viel Fantasie, um sich die Feierstimmung vorzustellen, in der sich AfD, Front National und andere Gruppierungen dieses weltanschaulichen Zuschnitts jetzt befinden.

Natürlich sollte man das alles mit Vorbehalt sehen. Vielleicht kommt es auch anders. Vielleicht kommt auch nicht alles zur selben Zeit. Aber darauf gibt es nach dem Wahlsieg Trumps keine belastbaren Hinweise. Die Welt, wie wir sie kennen, hat sich über Nacht verändert.