Kommentar zur AfD Frauke Petrys Pyrrhussieg

Von  

Die neue Vorsitzende der AfD, Frauke Petry, triumphiert über den Parteigründer Bernd Lucke. Aber nun droht der Partei ein personeller und inhaltlicher Aderlass, kommentiert Roland Pichler.

Ein klarer Sieg: Frauke Petry übernimmt die Führung der AfD, der Parteigründer Bernd Lucke muss eine bittere Niederlage hinnehmen. Foto: dpa
Ein klarer Sieg: Frauke Petry übernimmt die Führung der AfD, der Parteigründer Bernd Lucke muss eine bittere Niederlage hinnehmen. Foto: dpa

Essen - Die Alternative für Deutschland (AfD) hat es in atemberaubender Geschwindigkeit in die Parlamente geschafft. Doch alle Zeichen deuten darauf hin, dass es die erfolgsverwöhnten Eurokritiker künftig schwerer haben werden. Mit dem Essener Parteitag hat sich die AfD endgültig demaskiert. Bei der Kandidatenvorstellung durften einzelne Bewerber für die hinteren Plätze rechtspopulistische Töne anschlagen und wurden dafür vom Saal mit großem Beifall bedacht. Nach dem Abstrafen des Parteigründers Bernd Lucke scheint sich die Partei in der deutschnationalen Ecke verorten zu wollen. Die „roten Linien“, die Lucke zumindest in den vergangenen Monaten vehement einforderte, werden einfach weggewischt.

Mit den personellen Weichenstellungen signalisiert die AfD, dass sie sich vom Gründungsanliegen entfernt. Auf den Mitgliedertreffen spielt die Eurokritik inzwischen eine untergeordnete Rolle, dafür wird mit viel Verve gegen Flüchtlinge und eine angebliche Islamisierung gewettert. Der sachliche Diskurs aus den Gründungstagen ist dumpfen Parolen gewichen.

Der Rechtsruck gefährdet die Wahlchancen

Die neue Frontfrau Frauke Petry besitzt zweifelsohne die Fähigkeit, die Basis stärker einzubinden. Dass Lucke mit seinen permanenten Alleingängen fast den gesamten Bundesvorstand gegen sich aufgebracht hat, ist nicht zu bestreiten. Dennoch ist der Umgang mit Lucke mehr als schäbig. Bei allen persönlichen Defiziten war es Lucke, der die AfD ins Europaparlament und in fünf Landtage geführt hat. Seinen Sturz betrieb der nationalkonservative Flügel mit großer Energie. Im Einfädeln von Intrigen beweist dieses Lager mehr Geschick.

An der demokratischen Entscheidung für Petry gibt es zwar nichts zu deuteln. Petrys Erfolg ist aber ein Pyrrhussieg. Die Sachkunde und Glaubwürdigkeit von Lucke, Hans-Olaf Henkel und Joachim Starbatty war für viele Wähler aus dem bürgerlichen Lager eine Empfehlung. Es ist nicht zu erkennen, dass Petry mit ihrem Führungsteam dieses Vakuum ausfüllen kann. Mit dem eingeleiteten Rechtsruck sind die Wahlchancen der AfD ungewiss. Zu den positiven Erfahrungen der bundesrepublikanischen Geschichte gehört, dass Rechtsausleger einen schweren Stand haben.

Gründet Lucke eine neue Partei?

Offenbar spielt Lucke mit dem Gedanken, zusammen mit Unterstützern eine neue Partei zu gründen. Falls es dazu kommt, wird auch dies ein schweres Unterfangen. Das Gründungsmotiv der Lucke-Partei ist mit der Eurokrise zwar noch aktuell. Die Debatte um die Krisenpolitik hat sich mit der Stabilisierung einiger Euroländer aber weiterentwickelt. Der Aufbau neuer Parteistrukturen dürfte Lucke nicht leicht fallen.

Für die AfD könnte der Parteitag in Essen der Anfang vom Ende sein. Auch zweieinhalb Jahre nach der Gründung hat die Partei noch immer kein Parteiprogramm. Mit dem unappetitlichen Schlagabtausch von Essen zeigt die Partei, dass sie sich auf neues Terrain begibt. Mit einer Mischung aus Antiamerikanismus, russlandfreundlichen Tönen und Verschwörungstheorien bewegt sich die AfD ins extreme Lager.