Kommentar zur Bürgermeisterwahl Kämmerer muss mit einem Dämpfer rechnen

Michael Föll, der vielen im Rat zu eigenmächtig und zu selbstbewusst erscheint, muss mit einem kräftigen Dämpfer bei der Wahl rechnen. Foto: Steinert
Michael Föll, der vielen im Rat zu eigenmächtig und zu selbstbewusst erscheint, muss mit einem kräftigen Dämpfer bei der Wahl rechnen. Foto: Steinert

Die Bürgermeisterwahl ist im Stuttgarter Rathaus ein heikles Thema. Auch wenn sich am Donnerstag Föll und Thürnau zur Wiederwahl stellen.

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Stuttgart - Die Annalen der Stadt sind unbestechlich. Als Michael Föll vor acht Jahren vom Gemeinderat zum Ersten Bürgermeister für Wirtschaft und Finanzen gewählt wurde, bekam er 49 Stimmen, acht Räte votierten gegen ihn, zwei enthielten sich. Am selben Tag wurde Dirk Thürnau neuer Technikbürgermeister mit 42 Jastimmen, 15 Neinstimmen und drei Enthaltungen. Wenn sich die beiden Beigeordneten am Donnerstag zur Wiederwahl stellen, könnte es genau umgekehrt kommen: Der Kämmerer, der vielen im Rat zu eigenmächtig und zu selbstbewusst erscheint, muss mit einem kräftigen Dämpfer rechnen, Dirk Thürnau hingegen, der sein Ressort fast lautlos und strikt sachorientiert leitet, dürfte sein altes Wahlergebnis deutlich verbessern.

Acht Jahre sind eine lange Zeit. Und im Stuttgarter Rathaus waren und sind gerade die Bürgermeisterwahlen ein besonders heikles Thema. 2010 verlor der Grüne Werner Wölfle unter dramatischen Umständen die Wahl zum Sozialbürgermeister gegen die von FDP und Freien Wählern ins Rennen geschickte Isabel Fezer. Da gibt's im Stadtparlament noch offene Wunden. Als Werner Wölfle im vergangenen Juli zum Bürgermeister für Verwaltung, Personal und Krankenhäuser gekürt wurde, musst er sich mit 39 Jastimmen begnügen. Auch das haben viele - namentlich in der Fraktion der Grünen - noch nicht vergessen.

Ja, es menschelt auch im Stuttgarter Gemeinderat. Wie sehr, das wird sich in dieser Woche erweisen. Dazu kommt das politische Kalkül der Fraktionen und der hinter ihnen stehenden Kreisparteien. CDU und SPD haben einen Deal gemacht: Wählst du meinen Föll, wähle ich deinen Thürnau! FDP und Freie Wähler sind wegen der Causa Fezer der CDU verpflichtet. Die Grünen wiederum werden Dirk Thürnau stützen, dem Kämmerer aber mit einiger Freude einen Denkzettel verpassen. Was SÖS und Linke tun, lässt sich nur schwer einschätzen. Dass OB Wolfgang Schuster für seine Kollegen votiert, darf man unterstellen. Ein Wahltag ist eben ein Zahltag.




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