Kommentar zur Bundesliga Erfolgsstory, Kapitel 50

Die Fußball-Bundesliga geht am Freitag in ihre 50. Saison. Sie steht im Zeichen des Duells zwischen den Zurück-in-die-Zukunft-Bayern und den Jugendstil-Dortmundern, prophezeit der StZ-Sportchef Peter Stolterfoht.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Peter Stolterfoht (sto)
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Stuttgart - Diese Chance verwandeln die Marketingstrategen der Deutschen Fußball-Liga mit links. Wenn das sogenannte Premiumprodukt Bundesliga jetzt in seine 50. Saison geht, ist das natürlich unzählige Werbekampagnen wert. Und der Veranstalter darf sich auf viele Jubiläumsgäste freuen. Die Bundesliga ist nämlich dabei, die Rekordmarke aus dem Vorjahr mit 500 000 verkauften Dauerkarten noch einmal zu übertreffen. Zur Feier des Jahres hat der Ligaverband ein entsprechendes Jubiläumslogo entwerfen lassen, das sowohl auf Trikotärmeln wie auch auf den Spielbällen zu sehen ist. Fehlt eigentlich nur die offizielle Bundesligahymne, die dann vor dem Anpfiff auch wirklich jeder Spieler mitsingt.

Zu einem Jubiläum gehören die Bilder aus den Bundesligaanfängen im Sommer 1963 ebenso wie die Augenzeugenberichte. Das Rückwärtsgewandte liegt in der Natur der Sache. Aber auch andere rückwärtsgewandte Tendenzen sind zuletzt im deutschen Fußball erkennbar geworden. So machten Altvordere wie Franz Beckenbauer und Gerhard Mayer-Vorfelder die Halbfinalniederlage bei der Europameisterschaft gegen Italien auch daran fest, dass nicht alle Nationalspieler das Deutschlandlied inbrünstig mitgesungen hätten. Warum dann aber ausgerechnet der Nichtsänger Sami Khedira den leidenschaftlichsten Einsatz auf dem Platz gezeigt hatte, konnten die Experten allerdings nicht erklären.

Die konservative Fraktion ist wieder im Kommen

Diese falsche Logik ändert aber nichts daran, dass sich seit der EM etwas ganz Grundsätzliches im deutschen Fußball geändert hat. Der Bundestrainer Joachim Löw ist nach dem allgemein als Misserfolg gewerteten deutschen EM-Abschneiden nicht mehr unantastbar. Damit steht auch die Philosophie vom schönen, schnellen und modernen Spiel in der Kritik. Dies hat Auswirkungen auf die Bundesliga. Die konservative Fußballfraktion ist wieder im Kommen. Diese Entwicklung lässt sich am deutlichsten an der Person Matthias Sammer ablesen. Der Blutgrätschenromantiker und Joachim-Löw-Gegenentwurf feiert als Bayern-Sportdirektor sein großes Bundesliga-Comeback unter dem Motto: Kämpfen, kämpfen, kämpfen – Titel, Titel, Titel.

So kommt es in dieser Saison zum Duell der Systeme. Auf der einen Seite stehen die zu allem entschlossenen Zurück-in-die-Zukunft-Bayern, auf der anderen die locker-flockigen Jugendstil-Dortmunder als Titelverteidiger. Das verspricht Spannung. Außerdem wünschen sich die Fans aber auch wieder einmal einen internationalen Erfolg einer deutschen Mannschaft. Der letzte liegt schon elf Jahre zurück, als die Bayern im Finale der Champions League gegen den FC Valencia gewannen. Über das lange Warten macht sich mittlerweile sogar die taz ernsthaft Gedanken und kommt für eine linksalternative Zeitung zu einem überraschend populistischen Schluss: „Es fehlen die Typen, Spieler wie Oliver Kahn und Stefan Effenberg.“ Der Fernsehexperte und Löw-Kritiker Kahn hätte das Problem aus seiner Sicht vermutlich nicht besser auf den Punkt bringen können.

Typen fehlen auch in Spanien

Wobei das mit den Typen auch so eine Sache ist. Lautsprecher der Marke Kahn und Effenberg sucht man bei Spanien, der weltweit besten Nationalmannschaft, ebenso vergeblich wie bei dem alles überragenden Clubteam, dem FC Barcelona. Dort spielt auch noch der auffälligste Profi (auf dem Platz) und zugleich auch unauffälligste (abseits davon): Lionel Messi.

Der Argentinier wird vermutlich nicht mehr in der Bundesliga landen. Aber vielleicht andere Stars. Das solide deutsche Wirtschaften könnte sich gegenüber dem lange Zeit praktizierten spanischen Vabanquespiel durchsetzen. Ein aktuelles Beispiel: Javi Martínez. Der FC Barcelona kann sich den Nationalspieler nicht leisten. Der FC Bayern schon. Keine schlechten Bundesligaaussichten.




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