Global Player sind im Bankgeschäft längst keine Stars mehr, sondern tickende Zeitbomben. Dies ist die Analyse des StZ-Wirtschaftschefs Michael Heller angesichts des Sparprogramms bei der Deutschen Bank. Das Institut sollte deshalb seine Ziele überdenken.

Stuttgart - Meistens überzeugen solche Argumente an der Börse. Die Deutsche Bank müsse effizienter werden, hat das neue Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen verkündet und im gleichen Atemzug den Abbau von 1900 Arbeitsplätzen bekanntgegeben. Steigende Kurse sind da die Regel, wenngleich die Gewinne am Dienstag rasch wieder schmolzen. Es zeigt sich, dass die Spekulationen, die seit Wochen rund um die Bank kursiert haben, im Kern zutreffen. Es kommt nur noch etwas schlimmer als befürchtet. Aber das entspricht dem üblichen Muster bei Wechseln. Schmerzhafte Schnitte setzen neue Chefs stets zu Beginn der Amtszeit an, wenn sie noch als Folge von Versäumnissen der alten Führung angelastet werden können.

Ein Sanierungsfall ist die Deutsche Bank gleichwohl nicht. Immerhin hat sie in den Monaten April bis Juni noch netto 661 Millionen Euro verdient. In Zeiten, in denen Kreditinstitute weltweit ins Wackeln geraten – aufgrund eigenen Versagens oder als Folge der Eurokrise – ist solch ein Ergebnis nicht schlecht, selbst wenn das Vorjahresergebnis fast doppelt so hoch war. Es sind nicht die Zahlen, sondern es ist der Kurs der Bank, der Anlass zur Besorgnis gibt: Wohin steuert eigentlich Deutschlands Finanzadresse Nummer eins nach der Ära des Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann, der im Mai abgetreten ist?

Die Strategie bleibt im Dunkeln

Es scheint, als habe sich die Bank entschieden, sich nicht zu entscheiden. Fitschen und Jain, die beiden Chefs, stehen jeweils für ganz unterschiedliche Banktypen. Fitschen repräsentiert das traditionelle Bankgeschäft mit Krediten und Einlagen; Jain, das ist das Investmentbanking, also die Beratung und der Handel. Nun hat das Duo ein Ziel vorgegeben, das äußerst ehrgeizig ist. Sie glauben, dass es in einigen Jahren weltweit nur noch eine paar Großbanken geben wird, die wirklich Gewicht haben – und die Deutsche Bank soll dazugehören. Mit welcher Strategie dieses Ziel erreicht werden soll, bleibt im Dunkeln.

Dass nun in der einst erfolgsverwöhnten Sparte Investmentbanking 1500 der etwa 10 000 Stellen gestrichen werden, wird niemand als Vorwärtsstrategie interpretieren. Aber es ist die Konsequenz daraus, dass die Sparte bei Weitem nicht mehr so viel verdient wie früher – die Krise lässt grüßen. Das sollte allerdings nicht zu dem Schluss führen, dass die Bank auf Distanz zum Investmentbanking geht. Wenn die Bank wirklich in der Weltspitze mitspielen will, dann wird es ohne das Investmentbanking nicht gehen. Denn nur hier werden die Summen verdient, die in guten Jahren den Gewinn explodieren lassen. So wird Anshu Jain argumentieren, und dabei hat er gewiss Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der früher bei Goldman Sachs war, hinter sich.

Global Player als tickende Zeitbomben

Dass sich im hektischen Auf und Ab auch hohe Risiken spiegeln, die eine Bank – und ganze Volkswirtschaften – in schlechten Jahren an den Rand des Ruins bringen können, wird beim Marsch Richtung Weltspitze womöglich in Kauf genommen. Längst ist ein „Global Player“ kein allseits bewunderter Star des Wirtschaftslebens mehr. Zumindest bezogen auf die Finanzwelt gilt er eher als tickende Zeitbombe. Aber das scheint bei der Bank noch nicht wirklich angekommen zu sein.

Die Trennung von Investment- und Geschäftsbanken, die es in den USA bis Ende der neunziger Jahre gab, würde die Risiken im System deutlich reduzieren. Mit Hilfe in der Not könnten dann nur noch die Geschäftsbanken rechnen. Für dieses Trennbankensystem setzt sich zum Beispiel der frühere US-Notenbankchef Paul Volcker ein. Selbst Sanford Weill, einst Chef der US-Großbank Citigroup, plädiert für die Zerschlagung der Großbanken; eine Bank, so lautet das Credo, darf nur so groß sein, dass ihre Pleite zu verkraften ist. Die Deutsche Bank wäre gut beraten, auf diesen Trend weg von den Megabanken zu reagieren und ihre Ziele zu überdenken.