Kommentar zur EADS Geliebtes Sorgenkind

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Der Luft- und Raumfahrt-Konzern EADS ist in heftigen Turbulenzen. Das Rüstungsgeschäft schwächelt. Und der Konzern hat es versäumt, die Kapazitäten langsam abzubauen, kritisiert der StZ-Wirtschaftschef Michael Heller.

5800 Stellen will die EADS bis zum Jahr 2016 abbauen. Foto: AFP
5800 Stellen will die EADS bis zum Jahr 2016 abbauen. Foto: AFP

Stuttgart - Das hatte sich die Politik gewiss anders vorgestellt. Als die Bundesregierung vor einem Jahr die Fusion des deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS mit dem britischen Rüstungsunternehmen BAE blockierte, da sprach Luftfahrtkoordinator Peter Hintze von der „Pflicht der Bundesregierung, die deutschen Standortinteressen zu wahren“. Es gehe um Schlüsseltechnologien und Arbeitsplätze, hatte der CDU-Mann gesagt. Jetzt kündigt EADS-Chef Tom Enders den Abbau von 5800 Stellen bis 2016 an. Unverhohlen gibt der Manager, der damals der Vater der Fusionspläne war, der Bundesregierung die Schuld am Kahlschlag. Motto: Mit einer Fusion hätte es besser ausgesehen. Aber das ist Rechthaberei. Fusion hin oder her: die Probleme, die jetzt so viele Jobs kosten, liegen tiefer.

Die Rüstungsindustrie ist nun einmal keine Wachstumsbranche. Die Welt ist, zumindest in Europa, friedlicher geworden. Hier hat kein Land Anlass, sich militärisch herausgefordert zu fühlen und in Rüstung zu investieren. Dieser erfreuliche Befund hat seinen Preis. Mangels Bedrohung wird das Militärgeschäft tendenziell schrumpfen. Dieser Trend wird durch die leeren öffentlichen Kassen noch beschleunigt. Gewiss gehen hier anspruchsvolle, hochwertige Arbeitsplätze verloren.

Gegenwind für die Rüstungsindustrie

Aber man muss kein Pazifist sein, um zum Beispiel Griechenlands Militäretat in der Vergangenheit zu kritisieren. Wenn Enders davon spricht, dass die EADS neue Auslandsmärkte erobern müsse, dann beschleicht einen ein ungutes Gefühl. Wo, wenn nicht in Spannungsgebieten, besteht Interesse an Militärtechnik made in Germany? Das darf keine ernsthafte Option sein.

Der Gegenwind für die Rüstungsindustrie ist keine neue Entwicklung. Manager wie der EADS-Chef hätten eigentlich ausreichend Zeit gehabt, das Geschäft langsam und schonend dem künftig geringeren Bedarf anzupassen. Aber das ist nicht geschehen. Vor gar nicht langer Zeit haben Enders und sein Vorgänger Louis Gallois noch das Ziel verkündet, den Rüstungssektor auszubauen. Bis 2020, so lautete einst das Ziel, sollten das zivile Flugzeuggeschäft mit dem Verkaufsschlager Airbus und die Verteidigungsaktivitäten auf Augenhöhe kommen. Auch die Fusion mit BAE war eine Variante dieses Plans. Nun war Tom Enders zwar mal Fallschirmjäger bei der Bundeswehr, aber er ist gewiss kein Militarist. Ihn reizt am Geschäft mit Hubschraubern, Kampfflugzeugen und Drohnen etwas anderes: die Rendite. Militärgüter sind keine Massenware, geliefert werden Gerätschaften, die genau auf die Wünsche der Auftraggeber zugeschnitten sind.

Die Kapazitäten sind überdimensioniert

Das ist für das börsennotierte Unternehmen EADS ein hervorragender Ausgleich für das wachstumsträchtige Geschäft mit zivilen Flugzeugen, das aber nur magere Renditen abwirft – für den großen Rivalen Boeing in den USA gilt im Übrigen das gleiche. Insofern ist es verständlich, wenn die Gewerkschaften gegen den Stellenabbau in der Rüstung mit dem Argument protestieren, die Sparte arbeite profitabel. Aber gemessen am künftigen Bedarf sind die Kapazitäten überdimensioniert. Hinzu kommt, dass die Militärplaner vielfach noch nicht in Europa angekommen sind, sondern in nationalstaatlichen Kategorien denken. Hier liegt noch ein großes Rationalisierungspotenzial.

Es wird Aufgabe der Bundesregierung sein, in Absprache mit den Partnern die künftige Struktur einer kleiner werdenden Militärbranche zu skizzieren. Als Aktionäre können Deutschland und Frankreich unmittelbar Einfluss auf die Entscheidungen der EADS nehmen. Das missfällt Enders, der sich den Konzern gerne als ein staatsfernes Unternehmen vorstellt, zwar erkennbar. Aber wer stattliche Gewinne aus dem Militärgeschäft einstreichen will, der muss auch akzeptieren, dass der Auftraggeber Mitsprache beansprucht.