Der größte Hoffnungsträger der FDP ist nicht der neue Parteichef Christian Lindner, sondern die große Koalition. Ein Kommentar von Thomas Maron.
Stuttgart - Die Aufbauarbeiten haben begonnen. Auf dem Dreikönigstreffen der FDP hat es Christian Lindner geschafft, den verbliebenen Anhängern seiner Partei seine Idee von einem Neustart näherzubringen. Das ist ein Anfang, mehr aber auch nicht, denn allein das rhetorische Talent Lindners wird nicht ausreichen, genügend Menschen davon zu überzeugen, dass die FDP künftig tatsächlich die Lebenschancen aller Leistungsbereiten in Deutschland im Blick hat und nicht nur die Pfründen einiger gut organisierter Eliten. Dieser neue Kurs der Öffnung ist auch heikel, weil jene Verbände und Interessengruppen, denen Lindner nicht mehr unverbrüchliche Solidarität schwören will, eben jene Gönner sein sollen, die der Partei finanziell durch die Dürre der außerparlamentarischen Opposition helfen sollen.
Dennoch darf man konstatieren: was machbar war, hat Lindner in den ersten Wochen seiner Amtszeit erreicht. Er hat ein neues Team geformt, hat Ziele formuliert. Gleichwohl ist nicht Lindner der größte Hoffnungsträger der FDP, sondern die große Koalition. Deren Unvermögen, einfachste Grundsätze solider Ordnungspolitik zu achten, macht die Lücke erst sichtbar, die im Bundestag klafft. Für jene liberale Kraft, die Lindners FDP wieder werden will, wäre da sicher nach der nächsten Wahl der eine oder andere Platz frei.