Kommentar zur Flüchtlingskatastrophe Zwischen Zynismus und Vernunft

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Bischof Fürst offeriert ein Kloster als Unterkunft. Das ist immerhin ein konkretes Hilfsangebot. Doch für die Tragödie der Flüchtlinge im Mittelmeer gibt es keine einfachen Lösungen – weder auf europäischer noch auf deutscher Ebene, meint Armin Käfer.

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Berlin - Vor 30 Jahren hatte sich der Phi­losoph Peter Sloterdijk an einer „Kritik der zynischen Vernunft“ versucht. Heute ließe sich das so zusammenfassen: Wenn die deutsche Integrationsbeauftragte angesichts der Bilder aus Lampedusa Italien kritisiert, weil den schiffbrüchigen Flüchtlingen dort keine menschenwürdige Aufnahme geboten werde, dann mag das vernünftig und richtig sein – ist aber an Zynismus kaum zu überbieten. Schließlich unternimmt die Bundesregierung nichts, um die inhumanen Verhältnisse zu ändern. Allerdings macht sich jeder des Zynismus verdächtig, der jetzt nicht gleich das Asylrecht ändern will. Man muss da nicht einmal so kaltherzig daherreden wie Innenminister Friedrich. Er sollte anerkennen, dass es legitime Gründe gibt, in Europa eine bessere Welt zu suchen, auch wenn das nicht immer legal ist und nicht jedermann ermöglicht werden kann.

Wer als Alternative „offene Grenzen für Menschen in Not“ predigt, wie das etwa die Linkspartei tut, der blendet aus, dass Europa nicht einmal allen Europäern eine Perspektive ohne Not bieten kann. Natürlich könnten wir in Deutschland Zigtausende Flüchtlinge mehr aufnehmen, ohne den sozialen Frieden zu gefährden. Bischof Fürst offeriert ein Kloster als Unterkunft – immerhin ein konkretes Hilfsangebot. Das Problem an sich ist so aber nicht zu lösen.