Kommentar zur „Grünen Woche“ Biobauern unter Druck

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Der Boom ist zu Ende und einige Betriebe scheinen wieder zur konventionellen Landwirtschaft zu wechseln. Doch die Ökolandwirte spielen weiterhin eine wichtige Rolle, denn sie setzen Maßstäbe im Umgang mit Tieren, Feldern und Äckern, schreibt Ulrich Schreyer.

Der Bio-Trend scheint sich seinem Ende zu nähern. Foto: dpa
Der Bio-Trend scheint sich seinem Ende zu nähern. Foto: dpa

Berlin - Auf der Grünen Woche in Berlin haben die Bioaussteller mehr Platz als je zuvor. Ihre Halle ist zudem erstmals direkt an einem wichtigen Eingang – bisher mussten sich die Besucher an zahlreichen anderen Ausstellern vorbeiquälen, bevor sie nach Bioland kamen – dorthin, wo ökologisch gebackenes Brot, Äpfel, Kartoffeln und dieses Jahr sogar ein Gehege mit frei laufenden Hühnern präsentiert werden. Alles also in Butter bei Bio?

Keineswegs. Bundesweit ist die Anbaufläche im vergangenen Jahr kaum noch gewachsen, die Zahl der Höfe hat ebenfalls nicht mehr nennenswert zugenommen – und mancher, der einst frohgemut ins ökologische Wunderland gestartet ist, kehrt aus wirtschaftlichen Gründen reumütig zur traditionellen Landwirtschaft zurück. Der Boom ist vorbei. Zum Teil auch, weil Bio Bio schlägt: Die Betreiber von Biogasanlagen können dank staatlich geförderter Energieeinspeisung fast den doppelten Pachtpreis zahlen wie die Biobauern – und der größte Teil der Flächen sind eben Pachtflächen. Vor allem die neueren Betriebe kehren dem Bioanbau den Rücken. Wer schon länger konsequent dabei ist, bleibt, so eine Untersuchung der Universität Kassel, dem Ökolandbau eher treu.

So mancher hat darauf gehofft, leicht Geld zu verdienen

Der Verdacht liegt nahe, dass so mancher, der angesichts hoher Zuwächse auf den Biozug aufgesprungen ist, nun wieder abspringt. In den vergangenen Jahren war die Einkommenslage der Alternativlandwirte fast immer besser als die ihrer traditionell wirtschaftenden Berufskollegen – das hat sicher einige Bauern zu dem Fehlurteil verleitet, mit Bio lasse sich nicht nur das ökologische Gewissen beruhigen, sondern auch leichtes Geld verdienen. Doch der Druck auf die Produzenten wächst – nicht nur, weil die Discounter knallhart verhandeln und einen guten Teil ihrer Ware im Ausland einkaufen.

Im vergangenen Jahr wuchs der Biomarkt zwar noch um sechs Prozent auf rund sieben Milliarden Euro – aber nur deshalb, weil auch Biobauern von den allgemein höheren Nahrungsmittelpreisen profitierten. Höhere Preise für konventionelle Lebensmittel mindern den Reiz, sich auf die schwierige und risikoreiche Umstellung auf Bioprodukte einzulassen – obwohl die Verbraucher in Umfragen immer wieder erklären, sie hätten gerne mehr Biowaren in Körben, Netzen und Einkaufstüten.

Der Minister profiliert sich nicht gerade als Förderer

Doch ganz so düster ist die Lage auch wieder nicht. Noch immer geben prozentual weniger Ökobauern auf als andere. Und die Preise schwanken ebenfalls weniger stark als in der konventionellen Landwirtschaft. Der Ökolandbau in Deutschland steht nicht am Abgrund. Aber, das räumt auch Biolandpräsident Jan Plagge ein, er braucht stärkere staatliche Hilfe. In Baden-Württemberg immerhin wurde unter Grün-Rot ein von der alten Regierung gestopptes Förderprogramm wiederbelebt. Bundesweit aber profiliert sich Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich nicht gerade als Förderer der alternativen Landwirtschaft. Frühere Ziele – selbst seine CSU-Parteikollegin Ilse Aigner strebte bewusst noch einen höheren Bioanteil an der Landwirtschaftsfläche an – wischt er zur Seite. Das sichert ihm zwar den Beifall des Bauernverbands, bedeutet aber einen Verzicht auf politische Führung.

Und der Verband? Vorbei sind natürlich die Zeiten, in denen seine offiziellen Vertreter die Ökolandwirtschaft als des Teufels brandmarkten. Doch Bauernpräsident Joachim Rukwied spricht lieber von einer nötigen Intensivierung der Landwirtschaft – nach dem Motto: Deutschland muss die Welt ernähren. Das aber kann gefährlich werden. Es ist nicht das geringste Verdienst der Biobauern, dass sie Maßstäbe setzen – Maßstäbe, die auch für die konventionellen Landwirte eine Herausforderung im Umgang mit Tieren, Feldern und Äckern sind. Nur wer auch hier pfleglich handelt, hat das Geld des Steuerzahlers verdient.