Kommentar zur Hofener Straße Alte Reflexe

Die Hofener Straße soll am Wochenende und feiertags autofrei werden. Foto: Schneider
Die Hofener Straße soll am Wochenende und feiertags autofrei werden. Foto: Schneider

Radfahren finden alle gut. Wenn’s aber konkret wird, toben die Schlachten von gestern, kommentiert StZ-Redakteur Thomas Braun.

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Stuttgart - Der CDU-Stadtrat Philipp Hill hat die Sitzung des Technikausschusses am Dienstag vorzeitig verlassen müssen. Sonst hätte es sich der streitbare Kommunalpolitiker, der die Interessen der Autofahrer stets im Blick hat, wohl nicht nehmen lassen, das Klagelied über die Gängelung der motorisierten Verkehrsteilnehmer in der Autostadt Stuttgart anzustimmen. An seine Stelle trat diesmal die scheidende Fraktionskollegin Ursula Pfau, die das Ende des Weinbaus am Neckarufer heraufbeschwor und Sätze wie diesen von sich gab: „Die Verkehrsfläche ist für alle da, das muss man den Menschen klar machen.“

Eine Formulierung, die – wenn sie denn von den Grünen oder der SPD in Bezug auf die Situation von Radfahrern in Stuttgart gebraucht worden wäre – auf der anderen Seite des Ratstisches für Hohn und Spott gesorgt hätte. Übertroffen wurden Pfaus Ausführungen noch von Rose von Stein (Freie Wähler). Normalerweise hätte es ihr als Interessenvertreterin der Wengerter im Rat zugestanden, der Branche zur Seite zu springen. Weil ihr die CDU-Kollegin zuvor gekommen war, artikulierte von Stein ihre Sorge um den Familienfrieden, wenn die Ausflügler nach dem Grillen am Max-Eyth-See die Reste des Gelages nicht mehr mit dem Auto heimtransportieren könnten.

Die Debatte um die Sperrung der Hofener Straße hat gezeigt, wie reflexartig CDU, Freie Wähler und FDP immer noch reagieren, wenn es um noch so behutsame Reglementierungen für den Autoverkehr geht. Da werden die ideologischen Schlachten von gestern geschlagen. Die CDU, die sich so gern das Image einer modernen Großstadtpartei geben möchte, wäre gut beraten, ihren Autolobbyismus zu überdenken.




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