Kommentar zur HRE-Chefin Schaden für den Steuerzahler

Von Thomas Magenheim 

Politiker haben die Chefin der Hypo Real Estate, Manuela Better, aus dem Amt gedrängt und den Steuerzahlern damit einen Bärendienst erwiesen, meint Thomas Magenheim.

HRE-Chefin Manuela Better ist zurückgetreten. Foto: dpa
HRE-Chefin Manuela Better ist zurückgetreten. Foto: dpa

Stuttgart - Eigentlich dürfen sich Banker hierzulande über Politiker nicht beklagen. Das gilt besonders für diejenigen, die bei der Hypo Real Estate (HRE), ihren Zerfallsprodukten und Nachfolgeinstituten arbeiten. Im Fall der unvermittelt und im Streit mit der Politik zurückgetretenen HRE-Chefin Manuela Better wird man mit diesem Reflex der Wahrheit aber nicht gerecht. Monatelang hat der Bund seine HRE-Statthalterin über den Depfa-Verkauf verhandeln lassen, um ihr kurz vor Vertragsabschluss mitzuteilen, dass man die irische Banktochter nun doch lieber zerschlägt, statt sie zu veräußern.

Das war ein Affront. Wir wissen es besser, heißt das, was bezweifelt werden darf. Möglicherweise bringt eine Depfa-Zerschlagung am Ende wirklich mehr Geld für Bund und Steuerzahler als ein Verkauf. Aber dazu braucht man Glück und einen sehr langen Atem. Aber selbst in diesem günstigsten Fall verkennt es absehbare Kollateralschäden für die Reprivatisierung des HRE-Nachfolgers Deutsche Pfandbriefbank (Pbb).

Die Blaupause, die ein Depfa-Verkauf dafür sein sollte, ist zum Rohrkrepierer geworden. Potenzielle Investoren sind verunsichert. Ihnen wurde klargemacht, dass sie unter deutlichem politischem Vorbehalt um die Pbb bieten und um eine Bank, deren wichtigste Führungsfigur nun abgedankt hat, weil sie die Verhältnisse kennt. Das vergrößert weder den Kreis potenzieller Bieter noch den mutmaßlichen Kaufpreis.

Vielmehr ist das Gegenteil der Fall, und bei der Pbb geht es anders als bei der Depfa nicht um einige Hundert Millionen Euro, sondern um Milliardensummen. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass die jüngsten Verwerfungen der Gesamtkalkulation und damit auch dem Steuerzahler in Wirklichkeit geschadet haben. Nach Lage der Dinge haben die dafür hauptverantwortlichen Politiker das entweder billigend in Kauf genommen oder die Konsequenzen ihrer Aktionen grob unterschätzt. Verstörend und unprofessionell ist beides. In diesem Fall darf sich ein Banker auch einmal zu Recht über die Politik beklagen.