Der SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier dämpft die Erwartungen seiner Partei. Damit hat er Recht, meint der StZ-Korrespondent Roland Pichler.
Berlin - Was für die SPD der gesetzliche Mindestlohn, ist für die Union die Besetzung des Finanzministeriums. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Frank-Walter Steinmeier hat deshalb die ohnehin geringen Hoffnungen der Genossen auf das Finanzressort gedämpft. Auch wenn sich die künftigen Koalitionäre beim Personal noch nicht in die Karten schauen lassen, zeichnet sich die Kabinettsstruktur ab. Während Sozialdemokraten mit den Themen Arbeitsmarkt und Frühverrentung punkten, setzt die Union auf Kontinuität in der Finanzpolitik. Dazu muss das Personal passen. Steinmeier spricht deshalb nur aus, was viele ahnen: Das gute Wahlergebnis der Union sichert ihr das mächtige Finanzministerium.
Wolfgang Schäuble wird wohl Kassenwart bleiben. Daran ändert der Zwischenruf des SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück nichts. Die SPD kann keine personelle Alternative bieten. Parteichef Sigmar Gabriel liebäugelt mit anderen Aufgaben. Aus Sicht der Union ist Schäuble die Garantie, dass Finanzpolitik berechenbar bleibt. Mit ihm verbinden sich noch andere Erwartungen. Am Anfang steht der Koalitionsvertrag im Vordergrund. Doch bald wird die große Koalition Akzente setzen müssen. In der Union träumen viele davon, Bürger bei der kalten Progression zu entlasten. Schäuble soll Spielräume schaffen.