Kommentar zur Karstadt Wer nichts tut, hat verloren

Von Thomas K. Slotwinski 

Der Abzug von Karstadt ist ein Tiefschlag. Er zeigt aber auch, wie wichtig ein ganzheitliches Konzept für die Leonberger City ist.

LKZ-Redaktionsleiter kommentiert den Krstadt-Rückzug und die Folgen. Foto: factum/Jürgen Bach
LKZ-Redaktionsleiter kommentiert den Krstadt-Rückzug und die Folgen. Foto: factum/Jürgen Bach

Leonberg - Es ist nicht übertrieben, von einem „schwarzen Freitag“ zu sprechen, der über die Region Leonberg hereingebrochen ist. Denn wenn Karstadt tatsächlich aus dem Leo-Center herausgeht, ist das nicht nur für die Mitarbeiter ein oft existenzbedrohender Tiefschlag. Es schwächt den Einkaufsstandort Leonberg allgemein. Zwar haben Warenhäuser ein etwas angestaubtes Image, doch der Vorzug, dass es dort eben fast alles gibt, überzeugt viele Kunden. Und so ist auch die hiesige Karstadt-Filiale nicht nur der größte Mieter im Leo-Center, sondern auch der stärkste Frequenzbringer.

Der Oberbürgermeister hat Widerstand angekündigt, will um das größte Warenhaus in seiner Stadt kämpfen. Martin-Georg Cohn ist freilich lange genug dabei, um zu wissen, dass sich knallharte Manager äußerst ungern von Kommunalpolitikern in ihre Entscheidungen hereinreden lassen. Dennoch ist es richtig, sich nicht einfach in sein Schicksal zu fügen. Schließlich geht es neben der Karstadt-Filiale um die Position von Leonberg als Mittelzentrum.

Weg vom Graue-Maus-Image

Gerade als sich die Stadt mit den neuen Positionen einer Citymanagerin und eines Veranstaltungsmanagers auf den Weg gemacht hatte, das Graue-Maus-Image abzulegen und als attraktiver Einkaufs- und Freizeitstandort zu punkten, hat die Corona-Pandemie sämtliche Initiativen vorerst lahmgelegt. Nadja Reichert ist damit beschäftigt, den Händlern und Gastronomen in den Irrungen und Wirrungen der Corona-Verordnungen beizustehen. Nils Straßburg bleibt nicht viel mehr als Pläne für eine bunte Zukunft mit Festivals und anderen kulturellen Leckereien zu entwickeln.

Und nun auch noch das! Der Auszug von Karstadt könnte Auswirkungen auf das gesamte Leo-Center haben. Die Handelswelt hat sich alles andere als erholt. Angesichts verunsicherter und mithin kaufunlustiger Kunden dümpelt sie vor sich hin, allein getragen von der Hoffnung, dass die Geschäfte irgendwann einmal ohne Mundschutz betreten werden können und sich bei den Leute wieder so etwas wie Freude am Einkauf einstellt. Solange das nicht der Fall ist, dürfte es äußert schwierig sein, attraktive Nachmieter für gleich vier frei werdende Etagen im Leo-Center zu finden.

Politischer Druck macht Sinn

Im Moment ist noch nicht erkennbar, wann Karstadt wirklich dicht macht und was bis dahin passiert. Deshalb macht es großen Sinn, dass die Kommunalpolitik Druck macht und den OB beim Kampf um ein attraktives Leo-Center unterstützt. Auch wenn es eine schwierige Mission ist: Wer nichts tut, hat schon verloren.

Das Centermanagement muss parallel einen Plan B entwickeln,. Es wäre für die Atmosphäre im Leo-Center und damit für dessen Image mehr als fatal, würden über einen längeren Zeitraum ganze Teile der Shoppingmall leer stehen. Einen gruseligen Vorgeschmack haben wir während der Zeit der geschlossenen Läden erlebt.

Ganzheitliche Strategie

Die ganzen Tiefschläge der Vergangenheit zeigen aber auch, wie dringend notwendig eine ganzheitliche Marketingstrategie ist. Der alte Spruch, wonach das Leo-Center die Einkaufsstraße von Leonberg ist, hat keine Zukunft mehr. Vielmehr muss es darum gehen, ein Gesamtkonzept für eine attraktive Innenstadt zu entwickeln, in dem die einzelnen Pluspunkte, die ja durchaus vorhanden sind, sinnvoll vernetzt werden. Die Ausgestaltung des Postareals mit dem Brückenschlag zum Marktplatz ist ein wichtiger Baustein hierfür. Doch es ist nur einer. Und die Zeit, alles auf und ab zu diskutieren, ist nicht mehr vorhanden.




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