Kommentar zur Konjunktur Frühling für die Wirtschaft

Vor allem der private Konsum treibt die Wirtschaft an. Doch die Unternehmen geben auch wieder mehr Geld für Investitionen aus. Foto: dpa
Vor allem der private Konsum treibt die Wirtschaft an. Doch die Unternehmen geben auch wieder mehr Geld für Investitionen aus. Foto: dpa

Die deutsche Wirtschaft glänzt mit einem ungewohnten Wachstum. Doch dies darf kein Grund zur Selbstzufriedenheit sein, meint Wirtschaftsredakteur Ulrich Schreyer.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)

Stuttgart - Wenn das keine frohe Kunde ist in diesem Frühling – was dann? Die deutsche Wirtschaft läuft so gut wie seit zwei Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt ist in den ersten drei Monaten um 0,7 Prozent gestiegen – damit war das Wachstum mehr als doppelt so hoch wie im letzten Quartal des vergangenen Jahres. Deutschland, offenbar wieder die Konjunkturlokomotive Europas, kann die Probleme dieser Welt offenbar leicht abschütteln. Sei es die Sorge um Griechenland, das Embargo gegen Russland oder ein geringeres Wachstum in China, seien es die Rente mit 63 oder der Mindestlohn - manche Experten bezeichnen den Aufschwung im ersten Quartal geradezu als Paukenschlag. Für die positive Entwicklung gibt es gute Gründe: Die Arbeitsplätze im Inland sind relativ weitgehend sicher, die Inflation gering, die Kauflaune der Konsumenten entsprechend groß, auch weil Geld auf der Bank kaum noch Zinsen bringt. Zudem dürfte der Abschluss der Metalltarifrunde seine positive Wirkung nicht verfehlen: Er bringt vielen Verbrauchern mehr Geld – und den Unternehmen Planungssicherheit für dieses und das nächste Jahr.

Alles also im grünen Bereich in diesem Frühjahr? Auf den ersten Blick scheint es so zu sein, denn auch aus den Unternehmen selbst kommen optimistische Signale. Die Bundesregierung rechnet inzwischen für das gesamte Jahr mit einem Wachstum der Wirtschaft um 1,7 Prozent – auch dieser Wert wurde zuletzt vor zwei Jahren erreicht. Dennoch aber besteht keinerlei Grund, sich zufrieden zurückzulehnen. Die Risiken rund um den Globus nämlich bleiben weiter gefährlich – die Ukrainekrise ist nicht gelöst, sondern liegt auf Eis, wie Griechenland seine Probleme lösen könnte, weiss niemand so recht und die Schwellenländer schwächeln, was die Exportchancen dämpft. Einen Lichtblick für die Ausfuhren gibt es in den USA und einigen europäischen Ländern, doch über Europa hängt wie eine dunkle schwarze Wolke ein möglicher Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union – mit Folgen, die kaum abzuschätzen wären.

All dies sind Faktoren, auf die einzelne Unternehmen so gut wie keinen Einfluss haben. Um so wichtiger ist es, Geld in Forschung und Entwicklung zustecken. Und diese Mittel haben die Firmen. Trotz aller Risiken nämlich ist eines klar: Je mehr der Ruf von „Made in Germany“ glänzt, um so besser kommen die Unternehmen und ihre Beschäftigten über die Runden, wenn die weltweiten Wachstumsraten geringer werden. Forschung und Entwicklung aber heißt keineswegs nur, hier und da zu Tüfteln – die entscheidende Herausforderung ist die Digitalisierung der Wirtschaft, „Industrie 4.0. Wer hier zurückfällt, hat es schwer, später wieder aufzuholen.

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