Kommentar zur Krim-Krise Wettrennen im Faktenschaffen

„Stoppt Putins Krieg!“: Designstudenten in Kiew protestieren mit einer Plakataktion gegen die Abspaltung der Krim von der Ukraine. Foto: EPA
„Stoppt Putins Krieg!“: Designstudenten in Kiew protestieren mit einer Plakataktion gegen die Abspaltung der Krim von der Ukraine. Foto: EPA

Im Ringen um die Ukraine kontert der Westen massive russische Fehler mit nicht minder schweren eigenen Fehlern. Putin wird das auszunuten wissen, kommentiert der StZ-Autor Christian Gottschalk.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)
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Stuttgart - Da haben sie sich also machtvoll zusammengeschlossen, die sieben Industriestaaten, die sich gerne als führend sehen. Deutschland, Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien und die USA schicken in seltener Eintracht eine Warnung gen Russland, Putin dürfe die Annexion der Krim nicht weiter vorantreiben. Sonst – ja was denn sonst? Es bleibt bei schwachen Drohungen und unsinnigen Machtdemonstrationen wie der Stationierung von Flugzeugen an der Ostgrenze der Nato. Symbolkraft, Kraftmeierei.

Und es bleibt dabei, dass massive Fehler der russischen Seite mit nicht minder schweren Fehlern des Westens gekontert werden. Es ist doch gar keine Frage, dass das unsägliche Wettrennen in die russischen Arme, das da von Moskau-affinen Krimbewohnern mit wohlwollender Unterstützung des großen Bruders begonnen wurde, jenseits jeglicher internationaler Regeln stattfindet. Der gesamte Abstimmungsprozess am Wochenende ist eine völkerrechtliche Farce. Es ist jedoch ein ebenso großer Unsinn, wenn die EU nun der Übergangsregierung in Kiew das Assoziierungsabkommen zur Unterzeichnung vorlegt. Ein Wettlauf im Faktenschaffen. Das gießt nicht nur Öl ins Feuer, es ist juristisch überaus fragwürdig. Natürlich wird das Putin erkennen, und natürlich wird er das für sich auszuschlachten wissen.




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