Die Kunstministerin Theresia Bauer darf zufrieden sein. Sie hat mehr Geld für die Kunst herausgeschlagen. Doch das vorläufige Ende der Reformdebatte um die Musikhochschulen im Land ist erst der Anfang, kommentiert StZ-Redakteur Jan Ulrich Welke.

Kultur: Jan Ulrich Welke (juw)

Stuttgart - Die Kunstministerin Theresia Bauer darf zufrieden sein. Sie hat einen unglücklich selbst mitverschuldeten Scherbenhaufen zu einem strahlenden Sieg umgewidmet. Großes Lob sprachen ihr am Montag alle Beteiligten aus. Zu Recht: Kürzungswünsche für die Musikhochschulen hat sie nicht nur abgewendet, sondern im Kabinett sogar mehr Geld für die Kunst herausgeschlagen. Und obendrein ein offenbar dringendes Kommunikationsdefizit unter den Musikhochschulen mit den fünf Zukunftskonferenzen ausgebügelt, die in ihrer inhaltlichen Durchführung und fokussierten Anlage glänzende Beispiele für wichtige hochschulpolitische Entscheidungsfindungsprozesse waren.

 

Die dürftig bezahlten Dozenten bekommen nun höhere Vergütungen. Das leidige Problem der Studiengebühren für Ausländer ist vom Tisch, und es wurde ein Weg gewiesen,wie dem von vielen Hochschullehrern beklagten Manko fehlender Sprachkenntnisse mit einem verpflichtenden Deutschnachweis begegnet werden könnte. Natürlich hat Ministerin Bauer Recht, wenn sie sagt, dass nicht jede Hochschule alles anbieten müsse – schließlich kann man auch nur an drei Universitäten im Land Medizin studieren. Eine weitere Spezialisierung der fünf Musikhochschulen und weniger Studenten sind gewiss der richtige Weg, bessere Lehrkräfte zu gewinnen und somit bessere Musiker mit besseren Perspektiven hervorzubringen.

Doch nach fünf ganztägigen Symposien, an denen Theresia Bauer übrigens stets teilgenommen hat, gehen die Debatten jetzt erst richtig los. Denn vor allem die Frage, ob die Musikhochschule Stuttgart ihren Jazz- und Popstudiengang behalten wird, ist noch so offen wie zu Beginn. Sollte er im Zuge der Spezialisierung nach Mannheim abwandern, hätten diejenigen, die in dieser Debatte überhaupt als erste protestierten, für Stuttgart einen Pyrrhussieg errungen.