Es vergeht kein Tag, an dem sich nicht jemand zur Debatte um die Stuttgarter Musikhochschule zu Wort meldet. Wie sich die Musikhochschulen am Ende neu ausrichten, muss aber diskutiert werden, meint Jan Ulrich Welke.

Kultur: Jan Ulrich Welke (juw)

Stuttgart - Kein Tag vergeht derzeit, an dem sich nicht jemand zur Debatte um die Neustrukturierung der Musikhochschulen und insbesondere die geplante Abschaffung des Stuttgarter Pop- und Jazzstudiengangs zu Wort melden würde. Verblüffend ist bei der Debatte über die Sparvorschläge des Rechnungshofs zum einen, wie uneinig sich die fünf Musikhochschulen des Landes untereinander sind – und dass der Tonfall mittlerweile sogar unsolidarisch geworden ist. Aber auch an der Stuttgarter Musikhochschule gibt es zwischen Rektorat und Institut offenbar völlig unterschiedliche Auffassungen.

 

Verwunderlich ist schließlich, wie doch angeblich alle Beteiligten in die Vorberatungen eingebunden waren und sich jetzt doch völlig überrascht zeigen – bis hin zur Stuttgarter Kulturbürgermeisterin, die vorab über die Pläne zu informieren offenbar niemand für nötig hielt. Und überhaupt scheint es eine Menge Konfusion zu geben, welche Pläne überhaupt geschmiedet werden und welche konkreten Konsequenzen sich daraus für die einzelnen Standorte ergeben.

Es geht nur um fünf Millionen

Einerseits muss man sich bewusst machen, dass zum Beispiel im Fall des Stuttgarter Studiengangs nicht von Heerscharen, sondern von knapp sechzig Studenten die Rede ist. Andererseits sind die Bedenken gegen die Reformpläne sehr ernst zu nehmen. Alle Beteiligten sollten deshalb noch einmal in Ruhe über alle Umsetzungsvorschläge reden.

Wichtig wäre zudem, auch noch einmal über die Berechtigung der eigentlichen Kernvorwürfe des Rechnungshofs nachzudenken: ob, erstens, am Bedarf vorbei ausgebildet wird; und ob, zweitens, zahlreiche, vor allem asiatische Studenten ein hochklassiges und kostenfreies deutsches Bildungssystem nutzen, um anschließend wieder in ihre Heimat zu entschwinden.

Am schönsten wäre freilich, man bräuchte gar nicht über Einsparungen im Kulturbereich nachzudenken. Denn es geht, auch das muss man bei der Debatte bedenken, nicht um Milliardensummen, sondern um ein Einsparpotenzial von fünf Millionen Euro.