Über die Plakataktion von OB-Kandidat Sebastian Turner muss man nicht mehr diskutieren, meint StZ-Redakteur Jörg Nauke. Viel schlimmer aber ist die Art und Weise, mit der das Team des Kandidaten zum Gegenangriff bläst.

Stuttgart - Man muss nicht mehr darüber diskutieren, ob die Plakataktion des CDU-Kandidaten Sebastian Turner unangemessen gewesen ist. Mit Vertretern der örtlichen Wirtschaft, die sich wegen ihrer Kontakte zur Stadtverwaltung mit Gefälligkeiten zurückhalten müssten, direkt zu vereinbaren, sich eine teure Plakatfläche spendieren zu lassen, mag vielleicht von unternehmerischem Ideenreichtum zeugen – aber gewiss nicht von politischem Fingerspitzengefühl. Ein Rabattjäger als Oberbürgermeisteraspirant? Nicht vorstellbar.

Turner selbst und seine Unterstützer haben sich also mit dieser großspurigen Aktion keinen Gefallen getan, und nach dem Stand der Dinge haben sie auch die Chance verpasst, aus der Plakataffäre einigermaßen unversehrt herauszukommen. Nur zur Erinnerung: nicht der politische Gegner, sondern der Pressesprecher Stephan Schorn und der CDU-Kreischef Stefan Kaufmann machten die Verbindung zwischen Turner und dem umstrittenen Außenwerber Ilg öffentlich und sprachen von einer kostenlosen Überlassung der Plakatfläche, um zwei Tage später – und erst auf Nachfrage – 4500 Euro Kosten und den Immobilienunternehmer Fischer als Spender aus dem Hut zu zaubern.

Billiges Ablenkungsmanöver

Und jetzt machen sie alles noch schlimmer. Stephan Schorn, als einstiger Pressemann von OB Schuster in der Stadt hochangesehen und als Sprecher des Sparkassenverbands wegen seiner Nebentätigkeit als Turner-Sprachrohr ohnehin unter verschärfter Beobachtung, geht unvermittelt in den Nahkampf über. Angriff mag im Wahlkampf eine berechtigte Verteidigungsform sein. Dem politischen Gegner zu unterstellen, die Einladung zu einer Gesprächsveranstaltung sei vergleichbar mit dem Plakatgeschenk, wirkt allerdings eher wie ein billiges Ablenkungsmanöver.