Kommentar zur OB-Wahl Zuspitzen

Von Jörg Nauke 

In der nun beginnenden heißen Phase des Wahlkampfs um den Posten des Oberbürgermeisters braucht es klare Kante, um die Alternativen deutlich werden zu lassen, meint StZ-Redakteur Jörg Nauke.

In etwas mehr als drei Wochen wird in Stuttgart gewählt. Foto: dpa 15 Bilder
In etwas mehr als drei Wochen wird in Stuttgart gewählt. Foto: dpa

Stuttgart - Der Kreiswahlausschuss hat mit seiner Entscheidung, 14 von 17 Bewerbern grünes Licht für die Teilnahme an der Oberbürgermeisterwahl zu geben, die letzte Phase des Wahlkampfes eingeläutet. Es ist ein überschaubarer Stimmzettel, jedenfalls im Vergleich zu jenem vom Urnengang 1996 mit 38 Namen. Damals profitierten unzählige Juxkandidaten von dem Umstand, noch keine Unterstützerunterschriften liefern zu müssen. Das Ende dürfte vielen noch in Erinnerung sein: ein selbst ernannter Hofnarr sah sich seiner nicht vorhandenen Siegchancen beraubt, weil ihm die Teilnahme an einer Fernsehdebatte versagt blieb, und beendete mit einem Axthieb die Live-Sendung.

Noch 14 Kandidaten

Seitdem herrscht im Rathaus striktes Axtverbot, und die Bewerber brauchen 250 Sympathisanten für die Zulassung, was diesmal dazu führte, dass sich der Kreis der Anwärter noch einmal reduzierte. Kandidaten, die die Suche nach einem neuen Stadtoberhaupt nicht allzu ernst nehmen, sind dennoch durchgerutscht. So präsentiert sich Häns Dämpf (bürgerlich Markus Vogt) von der einst durch Ex-Redakteure der Satirezeitschrift „Titanic“ gegründeten „Die Partei“ neben ebenso aussichtslosen, aber ernste Absichten hegenden Einzelkandidaten wie Wolfram Bernhardt oder Jens Loewe. Letzterer hebt sich von den „Sonstigen“ schon deshalb ab, weil er nicht wie Phönix aus der Asche kommt, sondern jahrelang in Initiativen wie dem Wasserforum Pionierarbeit geleistet hat.

Wähler wollen echte Alternativen

Man muss aber kein Prophet sein, um am Abend des 7. Oktober die von Parteien unterstützten Bewerber vorne zu sehen, auch wenn Sebastian Turner (CDU, FDP und Freie Wähler) und Bettina Wilhelm (SPD) mit ihrer Parteilosigkeit kokettieren, um sich vom grünen Parteisoldaten Fritz Kuhn abzuheben. Ohne die personelle und finanzielle Unterstützung der Parteien sowie deren Stammwähler würden sie jedoch mit Häns Dämpf um die hinteren Plätze kämpfen. Allein die Reihenfolge an der Spitze ist offen, ebenso das Resultat von Hannes Rockenbauch (SÖS), der auf die Verbitterten unter den Stuttgart-21-Gegnern setzt. Bleibt zu hoffen, dass sich in der Schlussphase die Debatten zuspitzen wie etwa jene zwischen Kuhn und Rockenbauch. Die Wähler wollen schließlich beim Urnengang echte Alternativen haben, und die lassen sich allein aus den Programmen der Kandidaten nur schwer herauslesen.