Kommentar zur Regierungsbildung Frauen an den Schalthebeln der Macht

Thomas Strobl (links) und Winfried Kretschmann haben ihre Kabinettsliste beieinander. Foto: dpa
Thomas Strobl (links) und Winfried Kretschmann haben ihre Kabinettsliste beieinander. Foto: dpa

Das zweite Kabinett Kretschmann bringt nicht den totalen emanzipatorischen Durchbruch. Ein klares Signal ist aber schon zu vernehmen, kommentiert StZ-Autor Reiner Ruf.

Stuttgart - Ist das nun der emanzipatorische Durchbruch? So etwa halbe-halbe hatte der CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf sein Kabinett mit Frauen und Männern besetzen wollen. Dazu kam es nun nicht; dies aber lediglich, was die führende Rolle Wolfs bei der Regierungsbildung angeht. Die Frauen indes sind an den Schalthebeln der Macht angekommen.

Thomas Strobl, das Stehaufmännchen der Südwest-CDU, konnte gar nicht anders, als Wolfs Versprechen aus den Tagen des Mitgliederentscheids über die Spitzenkandidatur nachzukommen. Zu groß war der Druck, den die CDU-Frauen diesmal entfalteten. Dass sich die Grünen bei diesem Wettstreit nicht lumpen lassen konnten, versteht sich von selbst.

Die grün-roten Schulreformen werden nicht rückabgewickelt

Im Ergebnis führen Frauen in der Landesregierung nun drei zentrale Ministerien: auf Seiten der Grünen Edith Sitzmann und Theresia Bauer das Finanzressort respektive das Ministerium für Wissenschaft und Kunst, auf Seiten der CDU verantwortet Susanne Eisenmann künftig die Kultuspolitik – womit endgültig klar gestellt sein dürfte, dass die grün-roten Schulreformen nicht rückabgewickelt werden, auch nicht heimlich.

Schließlich bietet Strobl für die CDU eine Newcomerin für das Wirtschaftsministerium auf: die erstmals in den Landtag gewählte Nicole Hoffmeister-Kraut aus dem Balinger Bizerba-Clan mag politisch noch unerfahren sein, sie aber bringt unternehmerische Erfahrung mit. Nimmt man noch die künftigen Staatssekretärinnen hinzu, ist die Regierungsbildung genderpolitisch ganz gut gelaufen.

Und es wird niemand sagen können, bei dieser Aktion sei ein männlicher Kompetenzbolzen dem frauenpolitischen Aufwärtstrend zum Opfer gefallen – den unmittelbar Betroffenen sei nach dem Platzen allerschönster Träume eine heimliche Träne gegönnt.

Übrigens: Für Edith Sitzmann könnte das Finanzressort das Sprungbrett für noch höhere Aufgaben werden. Ob sie die Chance ergreift?

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