Mag Baden-Württemberg noch so viel versuchen: Die Afrikanische Schweinepest ist angesichts der rumänischen Kontrollmängel wohl nicht aufzuhalten, kommentiert Rüdiger Bäßler.

Politik/Baden-Württemberg: Rüdiger Bäßler (rub)

Stuttgart - Die Afrikanische Schweinepest hat in Rumänien nicht ihren Ursprung, aber nirgendwo stärker als im Bereich des Donaudeltas kann sich das Virus seit zwei Jahren ausbreiten. Das macht den Erreger eben doch vor allem zu einem rumänischen Phänomen. Die lange, weitgehende Tatenlosigkeit der Seuchenbekämpfer im Osten fügt sich in die Generalkritik der EU-Kommission vom November, wenige Wochen vor der Übernahme des EU-Vorsitzes durch Rumänien. Ein Lagebericht benennt Defizite bei der Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung, ja einen insgesamt stockenden Reformprozess.

 

Die Schweinepest ist viel mehr als das Puzzleteil eines brenzligen Bildes, das Rumänien abgibt. Wenn das Virus nicht entschlossen eingedämmt wird, wenn es zur Einschleppung nach Deutschland, dem größten Fleischexporteur innerhalb der EU kommt, droht ein riesiger Wirtschaftsschaden. Als im September die Schweinepest in Belgien auftrat, stornierten unter anderem China, Südkorea, Taiwan oder Mexiko die Bestellungen.

Faltblätter im falschen Land

Im immer noch sehr ländlich geprägten Westen und Osten Rumäniens, wo das Pferdefuhrwerk durchaus noch eine Rolle als Transportmittel spielt, hat es die Bukarester Administration versäumt, Kontroll- und Sicherungsstrukturen für die Landwirtschaft aufzubauen. Die tausenden kleinen Hausschlachtungen im Land, die Selbstversorger und Kleinvermarkter, sie weichen, wo sie können, der neuen Drohkeule des Staates aus, nämlich der vorsorglichen Tötung ihrer Tiere ohne Schadenersatz. Die hochtourigen Aktionspläne des Landes Baden-Württemberg stehen dazu im grotesken Gegensatz. Gut, dass es Faltblätter für Saisonarbeitskräfte mit Hinweisen auf die „Wurstbrotseuche“ gibt. Sie erscheinen leider im falschen Land.

Mag sein, dass das weitere Zusammenwachsen der EU, das Angleichen von Standards gerade in der Zusammenarbeit mit osteuropäischen Ländern nicht ohne Schmerzen zu erreichen ist. Den Schweinezüchtern hilft die Hoffnung auf eine bessere Zukunft wenig. Und um die Weiterverbreitung der Afrikanischen Schweinepest nach Deutschland zu stoppen, bräuchte es inzwischen wohl ein Wunder.