Minister Niebel lässt sich vom BND-Chef einen Teppich liefern und denkt sich nichts dabei, kritisiert StZ-Korrespondent Thomas Maron.
Berlin - Noch mal der Reihe nach: Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) kauft auf einer Dienstreise in Kabul einen Teppich für private Zwecke, nutzt dann die deutsche Botschaft als Zwischenlager und BND-Chef Gerhard Schindler als Luftfrachtzusteller, beides kostenfrei. Niebels Fahrer darf das gute Stück auf dem Rollfeld in Berlin entgegennehmen. Und der Zoll weiß von alledem nichts, bis der „Spiegel“ Niebel daran erinnert, dass er sich um die Sache vielleicht doch noch kümmern sollte.
Niebels Leute sprechen jetzt von einem Missverständnis. Der Minister sei davon ausgegangen, dass die Zollfrage von Mitarbeitern bei der Übergabe am Flughafen geregelt worden sei. Aber selbst wenn das so wäre: Wie kommt Niebel überhaupt auf die Idee, private Angelegenheiten von Mitarbeitern regeln zu lassen? Warum müssen sich Botschaftsmitarbeiter verpflichtet sehen, sich um Niebels Wohnraumgestaltung zu kümmern? Und hat BND-Chef Schindler in Afghanistan nicht Besseres zu tun, als Ministern mit Teppichlieferungen einen „persönlichen Gefallen“ zu tun?
Das Problem sind nicht die 200 Euro, die Niebel eventuell jetzt nachzuzahlen hat. Das Problem ist, dass wieder einmal ein Politiker das weit verbreitete Vorurteil bestätigt, die da oben seien alle Schnorrer vom Stamme Nimm.