Die Waffenruhe, die für die Ostukraine vereinbart wurde, bietet keine Garantie auf Frieden. Der Konflikt selbst ist noch ungelöst, kommentiert StZ-Redakteur Christian Gottschalk.

Politik/ Baden-Württemberg: Christian Gottschalk (cgo)

Stuttgart - Eine große Überraschung ist es nicht mehr gewesen. Nachdem die Präsidenten in Kiew und im Kreml die Waffenruhe praktisch vorgegeben hatten, mussten sich die Unterhändler in Minsk auf eine solche einigen. Dass Vereinbarungen wie diese oft das Papier nicht wert sind, auf dem sie festgehalten werden, ist bekannt. Trotzdem ist das ein notwendiger, erster Schritt. Für sich genommen hat die Vereinbarung wenig Wert. Ohne sie kann es jedoch nicht vernünftig weiter gehen.

 

Petro Poroschenko wird es schwer fallen, den Menschen in Kiew zu erklären, warum er diesen Schritt gegangen ist. Es stünde den Teilnehmern des Nato-Gipfels nun gut zu Gesicht, dem ukrainischen Präsidenten lautstark argumentative Schützenhilfe zu geben. Vermutlich waren sie es, die Petroschenko zuvor leise aber intensiv ins Gewissen geredet haben, diesen Schritt zu gehen. Noch wichtiger ist es aber, von Wladimir Putin in Erfahrung zu bringen, wie er sich die Zukunft der Ostukraine vorstellt. Der Kremlchef ist in diesem Punkt bisher sehr vage geblieben – doch das ist die Schlüsselfrage. Alle nun folgenden Verhandlungen bleiben weitgehend wertlos, so lange Putin nicht seine Ziele öffentlich gemacht hat. Das Problem: genau das weiß auch der Kremlchef. Er wird sich winden und um den Brei herumschleichen. Das Ende der Krise ist daher noch fern.