Enrico Lettas neuartige Regierung ist ein Aufbruchssignal für das krisengeschüttelte Italien. Das ist auch eine gute Nachricht für Europa, meint StZ-Korrespondent Paul Kreiner.

Korrespondenten: Paul Kreiner (pk)

Rom - Die zuerst gescheiterte Wahl des Staatspräsidenten stellt sich nach acht Tagen als der im Augenblick größtmögliche Glücksfall für Italien heraus. Die alte Garde der alten Parteien musste Giorgio Napolitano anflehen, das Amt weiterhin auszuüben – und der dadurch erheblich gestärkte 87-Jährige hat sie nun zu einer beispiellosen Verjüngungskur gezwungen. Enrico Lettas zwar nicht eben schlankes, aber neuartiges Kabinett ist ein Signal des Aufbruchs für ein einbetoniertes, bisher reformunfähiges Land und seinen gleichartigen Politikbetrieb. Jetzt müssen die alte Garde und die enttäuschten Ausgeschlossenen die Regierung nur arbeiten lassen.

Letta hat solchen Leuten die Sabotagearbeit mit viel Geschick schwer gemacht. Es sitzen ja nicht nur Nachwuchskräfte in seiner Regierung, sondern auch gewichtige Persönlichkeiten, die sich selbst von alten, noch so kapriziösen Parteiführern nicht einfach umpusten lassen. Und er hat in seinem Kabinett die Dialogfähigen aus beiden Lagern versammelt, die tendenziell eher in der Zusammenarbeit als in der Konfrontation die Zukunft sehen. Vielleicht zieht das Parlament ja mit. Für die Schüsse, die seine Regierungsarbeit so tragisch und angstvoll haben beginnen lassen, kann Letta nichts. Der ganze Rest sieht überraschend gut und verlässlich aus – für Italien wie für Europa.

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