Kommentar zur Windreich-Insolvenz Ein zu großes Rad gedreht

Zweifel am Geschäftsmodell von Windreich gab es schon länger Foto: dpa
Zweifel am Geschäftsmodell von Windreich gab es schon länger Foto: dpa

Die Insolvenz des Windkraft-Pioniers hat auch hausgemachte Gründe. Sie ist aber auch kein gutes Signal für die Energiewende, meint StZ-Redakteur Andreas Müller.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)
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Stuttgart - Schon der Beiname zeugte von einer gewissen Hybris. „Windreich – die Energiewender“ betitelte Willi Balz sein Unternehmen – fast so, als wolle es die Energiewende ganz alleine bewältigen. Zumindest war es der Ehrgeiz des Wolfschlugeners, es als kleiner, aber cleverer Akteur den Großen der Branche zu zeigen. Der weitsichtige David, der den Goliaths das lukrative Geschäft mit der Meeres-Windkraft wegschnappt – in dieser Rolle gefiel sich Balz. Entsprechend prall war in guten Zeiten sein Selbstbewusstsein.

Schon seit geraumer Zeit gab es Zweifel, ob seine Rechnung aufgehen würde. Der reichhaltige Lohn für Wagemut und Mühe, den er auch den Geldgebern in Aussicht stellte, schien eher ein Hoffnungswert zu sein. Immer weiter verschob sich die Einlösung des Versprechens in die Zukunft. Nun, da Windreich insolvent ist, dürften sich viele Skeptiker bestätigt sehen: Es werde kein gutes Ende nehmen mit den Pionieren aus der Provinz, hatten sie geunkt.

Es rächt sich, dass Balz alles auf eine Karte gesetzt hat

Wahrscheinlich war die Firma wirklich zu klein für das große Rad, das ihr Gründer drehen wollte. An Warnungen, dass sich ein Mittelständler an den milliardenschweren Windparks verheben würde, hatte es nicht gefehlt. Zudem stand sich Balz auch selbst im Wege: mit seiner ruppigen, wenig diplomatischen Art irritierte er immer wieder Geschäftspartner, Anleger und Öffentlichkeit. Ob seine Geschäfte rechtlich sauber waren, prüft derzeit die Justiz.

Am Ende rächte es sich, dass Balz alles auf eine Karte – die Offshore-Windkraft – setzte. So war er den technischen Unwägbarkeiten ebenso ausgesetzt wie den unsicheren politischen Rahmenbedingungen. In gewisser Weise hat er gezockt – und verloren. Zu einem guten Teil sind die Ursachen der Insolvenz sicher hausgemacht. Aber für die Energiewende insgesamt ist es kein gutes Signal, dass den „Energiewendern“ derart der Wind ausgangen ist.

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