Den Stadtrat Robert Hertler (Freie Wähler) stört, dass ein Fachbüro beim Umbau des Regenrückhaltebeckens Fleinsbach I Mehrkosten ermittelt hat, die vorhersehbar gewesen sein sollen.

Lokales: Malte Klein (mfk)

Sielmingen - Der Stadtrat Robert Hertler von den Freien Wählern hat sich in der vergangenen Sitzung des Gemeinderats deutlich ausgedrückt: „Von einem Fachbüro hätte ich etwas anderes erwartet. Es hätte manche Punkte der Kostensteigerung vorhersehen können.“

Damit sprach Hertler die Kostensteigerung um 25 000 Euro auf nun 202 000 Euro für den Umbau des Drosselschachts am Regenüberlaufbecken Fleinsbach I in Sielmingen an. Das Becken, das der Kläranlage vorgelagert ist und den Wasserzulauf regelt, ist vor 38 Jahren errichtet worden. Zuvor musste nach der Ausschreibung der Baumaßnahmen der ursprüngliche Kostenrahmen von 158 000 Euro auf 177 000 erhöht werden. Es waren Baupreise gestiegen und zusätzliche Schäden festgestellt worden. Im vergangenen Jahr hat die Beckensanierung begonnen, die nun fast abgeschlossen ist.

Kritik am Prozedere

In der Gemeinderatssitzung störte sich Hertler nicht am Zweck der Bauarbeiten oder daran, dass diese teurer werden. Seine Kritik richtete sich gegen das Prozedere. Auf Nachfrage kritisiert Hertler drei der fünf gestiegenen Posten: Die Anpassung der Einstiegsvariante entsprechend der Unfallverhütungsvorschriften erhöhte die Kosten um 1100 Euro, die Beauftragung eines Sicherheitskoordinators um 2000 Euro und die „aufwendigere Wasserhaltung infolge der erforderlichen Konzeptänderung“ um 15 000 Euro. Dies bedeutet, dass während der Bauarbeiten Wasser umgeleitet werden muss. „Dass man einen Sicherheitskoordinator braucht, weiß man genauso vorher wie dass eine Konzeptänderung fällig wird“, sagt Hertler.

Der Freie-Wähler-Stadtrat ist als Bauingenieur vom Fach. Er ist der Leiter des Kanalbetriebs der Stadt Stuttgart. Er bringt seine Kritik noch einmal auf den Punkt: „Das Büro hat nicht so gut gearbeitet.“

Zustimmung von der Oberbürgermeisterin

In der Gemeinderatssitzung stimmten sowohl die Oberbürgermeisterin Gabriele Dönig-Poppensieker als auch Filderstadts Baubürgermeister Reinhard Molt Hertler zu. „Wir haben mit dem Büro gesprochen. Die Kritik der Verwaltung war eindeutig“, sagte Molt. Dönig-Poppensieker ergänzte: „So etwas soll nicht noch einmal geschehen. Jetzt geben wir 25 000 Euro mehr aus. Es ist weniger ein Wollen als ein Müssen.“ Die Stadträte stimmten dem zu.

Norbert Branz, der Leiter des Tiefbauamts bei der Stadtverwaltung, erklärte auf Anfrage, warum der Drosselschacht des Regenüberlaufbeckens umgebaut werden muss. „Die Genehmigung für den Betrieb war abgelaufen.“ Also habe das Landratsamt eine neue Genehmigung ausstellen müssen. Um die zu bekommen, habe der Drosselschacht so umgebaut werden müssen, dass der Zulauf besser gesteuert werden könne. Das war laut Branz nötig, weil nun mehr Menschen in dem Bereich leben, die mehr Abwasser verursachen. Das Regenüberlaufbecken mit dem Drosselschacht wird gebraucht, wenn Starkregen fällt, der den Bachpegel steigen lässt.