Es geht mehr als nur um das Verwalten
Dies und noch viel mehr macht es keineswegs einfach, eine Kommune in dieser Größenordnung – nahezu 100 000 Einwohner – zu verwalten. Wobei das reine Verwalten Stillstand bedeuten würde und Stillstand früher oder später in Rückstand mündet. Es müssen also ständig neue Impulse gesetzt werden. Kurz: Eine Stadt will regiert werden. Beides, die Verwaltung und die Weiterentwicklung, geschieht maßgeblich im Gemeinderat, wo die gewählten Vertreter der Stadt sich austauschen und Beschlüsse fassen. Die Verwaltung muss dann diese Beschlüsse juristisch sauber umsetzen. Um das hinzubekommen, beschäftigt die Stadt mehr als 3000 Mitarbeitinnen und Mitarbeiter, eine Vielzahl davon in sozialen Einrichtungen.
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Wie aber funktioniert eine solche Verwaltung eigentlich, die von außen zuweilen wie eine Blackbox aussieht? Sie hat ein paar Fenster, wo die Einwohner Pässe abholen oder sich ummelden. Spürbar wird sie im Alltag auch, wenn das Ordnungsamt einen Strafzettel hinterlässt. Und natürlich für Verkehrsteilnehmer, wenn einmal wieder eine Straße oder gar eine Brücke gesperrt wird, weil Sanierungsarbeiten anstehen.
Großen Anteil hat die Stadt aber auch bei den schönen Großereignissen wie dem Weihnachtsmarkt, denn von selbst stellt sich so ein Ereignis nicht auf. Unsere Redaktion wird in den kommenden Tagen in vier Teilen in diese Blackbox hineinkriechen und die Ecken ausleuchten. Die große Überschrift dazu lautet: Wie funktioniert eigentlich Esslingen? Wer sitzt im Maschinenraum?
So sieht die Struktur aus
Esslingens Verwaltung hat vier Dezernate, das sind Hauptabteilungen, an deren Spitze entweder der Oberbürgermeister selbst oder ein Dezernent beziehungsweise ein Bürgermeister steht. Dem Dezernat untergeordnet sind weitere Abteilungen und Einrichtungen. Hier passiert das operative Geschäft. Teil 1 der kleinen Rathausserie beschäftigt sich mit dem Dezernat 1. Es wird vom Oberbürgermeister geführt. Ab November ist das Matthias Klopfer, der Juli von der Stadtbevölkerung gewählt wurde.
Acht Ämter gehören hierzu, eines davon ist sein eigenes Büro, aus dem heraus unter anderem die interne und externe Kommunikation gesteuert wird. Aber auch das Personalamt oder das Hauptamt gehört dazu. Eine der vielen Aufgaben dieses Hauptamtes ist die Vorbereitung der Gremiensitzungen, also die Tagungen des Gemeinderats und seiner Ausschüsse.
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Das Dezernat 2 wird geleitet von Bürgermeister Hans-Georg-Sigel, der seit dem Sommer diesen Jahres im Amt ist. Hier wird geplant und gebaut. Folgerichtig finden sich hier neben vier weiteren Ämtern das Tiefbauamt und das Planungsamt. Städtische Straßen, Brücken, Kanäle – hier werden sie geplant, hier werden die Bauaufträge vergeben. Allein in diesen beiden Ämtern arbeiten mehr als 200 Menschen.
Der Erste Bürgermeister Ingo Rust – der erste Vertreter des Oberbürgermeisters – steuert das Dezernat 3. Er ist Herrscher der Finanzen. Außerdem kümmert sich das Dezernat um die Digitalisierung der Verwaltung und verantwortet das Funktionieren des städtischen Busbetriebs und des Esslinger Klinikums. Allein in dem Krankenhaus arbeiten ungefähr 1700 Menschen und damit mehr als die Hälfte aller Mitarbeiter der Stadt Esslingen.
Yalcin Bayraktar, der kurz vor Beginn der Corona-Krise sein Amt übernahm, also inzwischen anderthalb Jahre für Esslingen arbeitet, hat ein regelrechtes Ämter-Potpourri zu organisieren: Ordnung, Soziales, Bildung, Kultur und Sport. Im Amt für Bildung, Erziehung und Betreuung – hier geht es unter anderem um Kindertageseinrichtungen, Schulen und Sozialarbeit – sind rund 700 Menschen beschäftigt. Zusammen mit dem Klinikum machen diese beiden Bereiche mehr als zwei Drittel aller städtischen Angestellten aus. Auch die Kultur – für die Esslinger Bürgerschaft und die Identität der Stadt ein sehr sensibler Bereich – liegt in der Verantwortung von Yalcin Bayrakta.
Den großen Überblick über die vielen Aufgaben der Stadt, die Zahl der Mitarbeiter und die Frage, wo diese Mitarbeiter eigentlich arbeiten, lesen Sie in den kommenden Tagen in unserer Zeitung und auf unserem Onlineportal www.esslinger-zeitung.de.
Charakter und Historie
Selbstbild
Die Stadt gibt sich als Leitspruch „Tradition und Moderne“ und bezeichnet sich selbst als „Stadt der Kontraste“. Während der Leitspruch so ziemlich auf jede Kommune in Deutschland passen könnte (Chemnitz bezeichnet sich zum Beispiel auch als „Stadt der Moderne“ und ist doch eine völlig andere Stadt mit einer gänzlich anderen Kultur und Historie), trifft die Selbstbezeichnung tatsächlich ein wesentliches Charakteristikum. Nach außen überstrahlt die historische Altstadt alles, aber im Innern – insbesondere in den zahlreichen kleinen Stadtvierteln – ist Esslingen sehr vielfältig. Diese Vielfalt ist spannend, macht das Regieren aber nicht unbedingt einfacher.
Historie
2027 feiert die Stadt ihr 1250-jähriges Stadtjubiläum. Besiedelt ist das Gebiet aber schon seit 3000 Jahren. Aus der Zeit 1000 vor Christus stammen die ersten Spuren menschlicher Zivilisation. 777 wurde Esslingen das erste Mal urkundlich erwähnt. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts ist Esslingen auch eine starke Industriestadt. Das große Industriegebiet in den Stadtteilen Oberesslingen, Sirnau und Zell entstand aber erst in der Nachkriegszeit in den späten 1940er-Jahren.