Kommunalpolitik in Gerlingen Umbruch im Gerlinger Gemeinderat

Der neue Gerlinger Gemeinderat hat sich für den Fotografen in Schale geworfen. Foto: /Simon Granville

Mit der Verpflichtung des neuen Gemeinderats heißt es auch Abschiednehmen von einigen Langzeit-Stadträten.

Großer Abschied auf der einen, umfangreiche Neubesetzung auf der anderen Seite. Selten war das Stühlerücken im Gerlinger Gemeinderat größer als bei der konstituierenden Versammlung des im Juni neu gewählten Kommunalgremiums. Gleich zehn neue Mitglieder gehören dem neuen Gemeinderat an. Auch die Liste der Geehrten war lang.

 

Schon vor der Sitzung sorgt bei bestem Sommerwetter ein Stehempfang vor dem Rathaus für entspannte Atmosphäre. Neue und alte Stadträte stoßen über die Parteigrenzen hinweg gemeinsam an. Manche beschnuppern sich wohl auch zum ersten Mal. Nur einer steht etwas abseits.

Im neuen Gerlinger Gemeinderat sind in der kommenden Amtsperiode sieben statt wie bisher sechs Parteien vertreten. Die AfD ist neu im Parteispektrum Gerlingens. AfD-Gemeinderat Ralph Flöter nimmt den errungen Sitz der Rechtspartei ein und hat sichtlich Bindungsschwierigkeiten.

Stehempfang bei entspannter Atmosphäre

Gleich drei neue Mitglieder entsenden die Christdemokraten: Ulrich Stirner-Sinn, Martin Weeber und Jürgen Wöhler sorgen künftig für einen reinen Männerbund. Ebenso verhält es sich bei den Freien Wählern (FW), deren bisher einziges weibliches Mitglied dem jungen Jürgen Maisch Platz machen musste. Bei den Jungen Gerlingern rücken Rebecca Stotz, David Rometsch und Barabara Lux neu ins Gremium. Bei den Grünen Monja Sales-Prado.

Dass mit dem neuen Gemeinderat auch ein spürbarer Umbruch einhergehen dürfte, dafür steht die Verabschiedung von gleich drei altgedienten Gremiumsmitgliedern. Mit Peter Zydel (FDP) ging nach 25-jähriger Amtszeit eine Ära zu Ende. Dem 81-Jährigen gebührte die längste Abschiedsrede des Bürgermeisters Dirk Oestringer (parteilos). Das muss schon deshalb nicht verwundern, weil die Liste der ehrenamtlichen Tätigkeiten, die Zydel in all den Jahren ausgeübt hatte, fast endlos ist. „Ihre Hingabe und Ihr Einsatz sind ein Vorbild für uns alle“, so Oestringer.

Gerlingens Bürgermeister Dirk Oestringer (Mitte) mit dem neuen ersten ehrenamtlichen Bürgermeisterstellvertreter Martin Weeber (CDU) und dem zweiten ehrenamtlichen Bürgermeisterstellvertreter Martin Nufer (Freie Wähler, links im Bild). Foto: Torsten Schöll

Nach 20 Jahren schieden Gabriele Badenhausen und Irmgard Schopf (beide CDU) aus. Badenhausen war seit 2004 im Sozialausschuss des Gemeinderats vertreten. Im Zentrum ihrer Arbeit standen schul- und familienpolitische Themen. Irmgard Schopf, zuletzt zweite ehrenamtliche Stellvertreterin des Bürgermeisters, zeigte als Stadträtin im kulturellen Leben der Stadt große Präsenz, wie Dirk Oestringer betont. Der Bürgermeister nannte sie „eine tragende Säule des Gemeinderats“.

Verabschiedung altgedienter Gremiumsmitglieder

Ebenso verabschiedet wurden nach zehn Jahren Ulrike Stegmaier (Grüne) und Judith Stürmer (JG, Junge Gerlinger). Mit Stürmer verliert der Gerlinger Gemeinderat die vielleicht streitbarste Stadträtin der vergangen Jahre. Durch ihren konstruktiven Widerspruch setzte sie manchen politischen Akzent. Verlassen hat das Gremium darüber hinaus Rolf Schneider (Grüne), Lukas Kuntz (JG), Dennis Uhl (JG), Thomas Mosebach (CDU) und Beate Kraft (FW).

Geehrt wurde zudem Martin Nufer (FW) für seine 25-jährige Gemeinderatstätigkeit. Die neuen Stadträte wählten Nufer zum zweiten ehrenamtlicher Stellvertreter des Bürgermeisters. Martin Maisch erhielt für sein 20-jähriges Engagement im Gemeinderat ebenfalls eine Auszeichnung.

Bemerkenswert: Mit Sohn Jürgen Maisch zieht bereits die sechste Generation an Gemeinderäten ins Gremium ein. Lorenz Maisch war zwischen 1810 und 1844 der erste Gemeinderat aus der alteingesessenen Gerlinger Familie.

Christian Haag und Thomas Fauser (beide CDU) erhielten Ehrungen für ihr zehnjähriges Engagement. Erster ehrenamtlicher Vertreter des Bürgermeisters ist in den kommenden fünf Jahren Neu-Stadtrat Martin Weeber (CDU).

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