Kommunalwahl 2014 Die Neue an der Spitze der Grünen-Ratsfraktion

Von Thomas Braun 

Damit hatte auch sie selbst nicht gerechnet: Bei der Kommunalwahl im Mai avancierte Anna Deparnay-Grunenberg zur Stimmenkönigin der Grünen – und wenig später zur Fraktionssprecherin.

Anna Deparnay-Grunenberg ist die  Fraktionssprecherin der Grünen. Sie hat für die Stuttgarter Ökopartei die meisten Stimmen bei der Gemeinderatswahl  geholt. Foto: Lichtgut
Anna Deparnay-Grunenberg ist die Fraktionssprecherin der Grünen. Sie hat für die Stuttgarter Ökopartei die meisten Stimmen bei der Gemeinderatswahl geholt. Foto: Lichtgut

Stuttgart - Wer politisch schnell Karriere machen will, muss entweder die parteiinterne Ochsentour hinter sich bringen oder ein absoluter Überflieger sein, heißt es. Auf Anna Deparnay-Grunenberg trifft beides nicht zu. Und dennoch ist die 38-jährige Deutsch-Französin, die erst seit wenigen Jahren auch die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, bei der Kommunalwahl in Stuttgart am 25. Mai zur Stimmenkönigin der Grünen avanciert. „Das hat mich schon überrascht“, sagt sie. Dabei leidet die dreifache Mutter nicht an mangelndem Selbstbewusstsein. Sie hat ihren Hut in den Ring geworfen, als es darum ging, den Platz der Fraktionssprecherin neben Peter Pätzold neu zu besetzen. Zuvor hatte ihre Vorgängerin Silvia Fischer signalisiert, nicht mehr für das Amt zur Verfügung zu stehen.

Ein Sprung ins kalte Wasser

Aus der zweiten Reihe an die Spitze – ein Sprung ins kalte Wasser sozusagen. Doch die studierte Forstwirtin hat nicht lange überlegt. Und die Familie? Alles eine Frage der Organisation, sagt sie. Anna Deparnay-Grunenberg ist an Veränderungen gewöhnt. Geboren in Berlin, verschlug es sie im Alter von zwei Jahren zunächst mit ihrer Mutter, einer Ärztin, nach Frankreich. Schon im Elternhaus sei sie durch die Debatten um den Atomausstieg politisiert worden, erzählt sie: „Ich komme aus einem Milieu, wo ökologische Fragen immer eine große Rolle gespielt haben.“

Mit 19 kehrte sie nach Deutschland zurück – und musste erst einmal die Sprache lernen. Heimisch wurde sie zunächst im grenznahen Freiburg. In studentisch geprägten Umfeld war das Thema Ökologie naturgemäß Gegenstand vieler Gespräche. Nicht von ungefähr entschloss sich Deparnay-Grunenberg zum Studium der Forst- und Umweltwissenschaften.

Historischer Wahlsieg spülte die Kandidatin in den Rat

Mit ihrem Mann zog sie Mitte der 2000er Jahre nach Stuttgart, um dort am Haus des Waldes ihre Diplomarbeit zu schreiben. Nebenbei forschte sie zu Themen wie „Kommunikation des Nachhaltigkeitsgedankens“ oder „Gewässerpädagogik“. Am Wohnort Vaihingen begann sie, sich nach der Kinderphase neu zu orientieren und sich für ökologische und verkehrliche Fragen vor Ort zu interessieren. Auf der Suche nach einem Job stieß sie 2007 – bis dato parteipolitisch unbeleckt – auf eine Stellenausschreibung als Kreisgeschäftsführerin der Grünen in Stuttgart.

Ein Jahr später trat sie der Partei bei, und schon im Folgejahr trat sie für die Grünen auf Listenplatz drei bei der Kommunalwahl an. Ohne Ortsverein im Rücken schlug sie sich im Wahlkampf alleine auf Marktplätzen und an Infoständen in den Stuttgarter Fildervororten tapfer, und siehe da: hinter dem seinerzeit unumstrittenen Grünen-Frontmann Werner Wölfle belegte sie beim historischen Wahlsieg der Grünen in der Landeshauptstadt, die 2009 die stärkste Fraktion wurden, in der internen Auszählung einen respektablen Rang zwei.

Anfangs beschränkte sie sich auf Sternchenthemen

Ansprüche hat sie damals noch nicht daraus abgeleitet. In der fraktionsinternen Hierarchie blieb sie eine unter damals 16 Grünen-Stadträten, die sich in ihrer neuen Rolle als stärkste Gruppe im Gemeinderat erst einmal finden musste. Als Mitglied im Technikausschuss beschränkte sich Deparnay-Grunenberg bei ihren Beiträgen auf ihre „Sternchenthemen“ Natur und Umwelt. Wie ihre Ex-Kollegin Niombo Lomba oder die zur Landesvorsitzenden aufgestiegene Thekla Walker wurde sie von manch erfahrenem Parteistrategen als „grünes Fräuleinwunder“ apostrophiert.

Doch während sich Lomba und Walker nach nur einer Wahlperiode aus dem Rat zurückzogen, ohne dort politisch Spuren hinterlassen zu haben, wollte Anna Deparnay-Grunenberg ihr Mandat nicht einfach nach fünf Jahren sang- und klanglos wieder aufgeben – trotz mancher fraktionsinterner Differenzen und Debatten. „Ab der zweiten Hälfte der Wahlperiode war mir klar, dass ich noch mal kandidieren werde“.

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