Kommunalwahl im Stuttgarter Norden Katerstimmung bei der CDU – Grüne jubeln

Von Torsten Ströbele 

13 von 60 Stadträten kommen aus Botnang, Weilimdorf, Stammheim, Zuffenhausen oder Feuerbach. Viele erfahrene Kandidaten haben es ins Gremium geschafft. Einige sind aber auch gescheitert.

Die Wahlbeteiligung lag in der Landeshauptstadt insgesamt bei 57,5 Prozent. In Botnang gingen prozentual die meisten Wahlberechtigten an die Urne (68,9 Prozent) und in Zuffenhausen die wenigsten (45,6 Prozent). Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Die Wahlbeteiligung lag in der Landeshauptstadt insgesamt bei 57,5 Prozent. In Botnang gingen prozentual die meisten Wahlberechtigten an die Urne (68,9 Prozent) und in Zuffenhausen die wenigsten (45,6 Prozent). Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgarter Norden - Die Grünen bilden die stärkste Fraktion, CDU und SPD büßen Stimmen sowie Mandate ein. Das vorläufige Endergebnis der Gemeinderatswahlen zeigt, dass Vertreter aus insgesamt 14 Parteien und Wählervereinigungen das neue Gremium bilden werden. Das sind so viele wie nie zuvor. Neben Grünen (16 Sitze), CDU (11), SPD (7), FDP (5), Freie Wähler (4), AfD (4), SÖS (3), Linke (3), Stadtisten (2) und Piraten (1) sind erstmals auch „Keine Fahrverbote in Stuttgart“, die Partei, die Junge Liste und die Tierschutzpartei (je 1) vertreten.

13 der insgesamt 60 neu gewählten Stadträte leben im Stuttgarter Norden. Drei haben ein grünes Parteibuch – Silvia Fischer
(Feuerbach), Gabriele Munk
(Weilimdorf) und der aktuelle Fraktionsvorsitzende Andreas G. Winter
(Feuerbach), der sich „wahnsinnig“ über sein und das Ergebnis der Partei freut. „Wir haben mit unserer Klima- und Umweltpolitik gepunktet. Nach diesem tollen Abschneiden haben wir viel bessere Chancen, Mehrheiten für unsere Anliegen zu bekommen.“ Die nächsten Wochen und Monate werden nun sehr arbeitsintensiv, betont Winter. Ende Juli sei die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderats. Wenige Tage später ginge man mit der neuen Fraktion in Klausur und dann stünden schon die Haushaltsberatungen auf dem Plan.

Auf die anstehenden Beratungen freut sich auch der neue und nun einzige CDU-Stadtrat aus dem Stuttgarter Norden, Maximilian Mörseburg
(Botnang): „Ich bin sehr gespannt, weil ich noch nicht genau weiß, was alles auf mich zukommt.“ Er hofft auf jeden Fall, dass viele Projekte und Maßnahmen aus dem Stuttgarter Norden eine Mehrheit finden. „In der nächsten Legislaturperiode möchte ich mich besonders für meinen Heimatbezirk Botnang und den Stuttgarter Norden stark machen“, sagt der Jurist. Trotz der Freude über seinen Einzug in den Gemeinderat herrschte in den vergangenen Tagen dennoch eher Katerstimmung bei Mörseburg. „Der VfB Stuttgart ist abgestiegen und natürlich ist das Wahlergebnis der CDU absolut unbefriedigend. Wir sollten jetzt aber nicht in Personaldebatten verfallen, sondern vielleicht einige unserer Positionen überdenken und dann die Leute von unseren Werten und Ideen überzeugen.“

Auch die Tierschutzpartei ist dabei

Auch die SPD hat wieder Verluste hinnehmen müssen. Sie stellt künftig nur noch sieben Stadträte. „Ich finde wir haben eine gute Arbeit gemacht. Das spiegelt sich aber leider nicht im Ergebnis wider“, sagt Suse Kletzin
(Feuerbach). Persönlich ist sie mit ihrer Stimmenanzahl zufrieden. „Das ist eine Bestätigung, dass ich in die richtige Richtung gehe.“ Zudem freue sie sich, dass es die beiden aktuellen Stadträte vom Bündnis Zukunft Stuttgart 23 (BZS23), Heinrich Fiechtner und Bernd Klingler (Weilimdorf), nicht mehr in den Gemeinderat geschafft haben: „Es war teilweise unerträglich, was vor allem Heinrich Fiechtner für persönliche Diffamierungen vom Stapel gelassen hat. Das hat das Klima vergiftet.“

Klingler fehlten am Ende etwa 10 500 Stimmen. „Ich bin sehr enttäuscht“, sagt er. Es sei nicht geglückt sein BZS23 innerhalb eines Jahres zu etablieren. Zudem sei der Wahlkampf alles andere als optimal gelaufen. „Das war es jetzt erst einmal mit Politik“, sagt Klingler. „Es waren zehn interessante Jahre als Stadtrat und 13 als Bezirksbeirat. Es ist schade. Aber ich gehe nicht im Groll.“

Allen Grund zur Freude haben hingegen die Freien Demokraten, die künftig fünf Stadträte stellen. Auch Matthias Oechsner
(Feuerbach) und der FDP-Kreisvorsitzende Armin Serwani haben ein Mandat. „Wir konnten uns als bürgerliche Kraft der Mitte in unserer Stadt nicht nur gut behaupten, sondern unser Ergebnis sogar deutlich steigern“, so Serwani.

Auch die Freien Wähler sind mit ihren Ergebnissen zufrieden. „Das wichtigste unserer Wahlziele haben wir erreicht“, sagt Jürgen Zeeb
(Weilimdorf), Stadtrat und Fraktionsvorsitzender. „Wir haben weiterhin vier der 60 Mandate und damit aus eigener Kraft Fraktionsstatus. Rose von Stein
(Zuffenhausen) und Michael Schrade
(Weilimdorf) werden ebenfalls für die Freien Wähler im Gemeinderat sitzen – wie Guntrun Müller-Enßlin
für SÖS (Weilimdorf) sowie Frank Ebel
(Weilimdorf) und Burghard Korneffel
(Zuffenhausen) für die AfD.

Zu guter Letzt hat es auch Matthias Gottfried
aus Weilimdorf für die Tierschutzpartei ins Gremium geschafft: „Wir wussten, dass wir Wählerpotenzial haben. Aber dass es dann auch geklappt hat, ist natürlich super.“ Schon am heutigen Montag finden erste Sondierungsgespräche mit Teilen der Fraktionsgemeinschaft SÖS/Linke-plus statt. Auch die Junge Liste und die Stadtisten hätten schon angefragt. Gottfried ist frohen Mutes, in den kommenden fünf Jahren etwas bewegen zu können. Mehr Taubenschläge, ein Verbot des Ponykarussells auf dem Wasen, mehr Zuschüsse für das Tierheim und einen günstigeren ÖPNV: unter anderem dafür wolle er sich einsetzen.

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