Kommunalwahl in der Großen Kreisstadt CDU holt Leonberg zurück

Bis 19 Uhr hat das Wahlteam im großen Sitzungssaal des Leonberger Rathauses alle Hände voll zu tun. Foto: Simon Granvillle

Neuer Gemeinderat: Axel Röckle, Spitzenkandidat der Freien Wähler, ist Stimmenkönig. Die Grünen sind besser als anderswo, SPD und FDP stabil. AfD holt zwei Sitze.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Ein Krimi kann nicht spannender sein als die Auszählung der Kommunalwahl in Leonberg: Kurz nach 14 Uhr laufen die ersten Ergebnisse ein, zweieinhalb Stunden später ist gerade einmal gut die Hälfte der 42 Wahlbezirke ausgezählt. Dabei zeichnen sich Trends sehr früh ab: Die CDU kann ihren bei der Europawahl am Sonntag begonnenen Siegeszug auch auf kommunaler Ebene fortsetzen. Und: Zumindest in Leonberg bleibt den Grünen ein Absturz wie fast überall andernorts erspart. Zwar ist die CDU mit 22,4 Prozent die stärkste Kraft, doch ihr Vorsprung auf die Freien Wähler (21,1) beträgt gerade mal ein Prozent. Beide Fraktionen haben jetzt sieben Sitze.

 

Es dauert bis 19 Uhr, bis die Gemeinderatswahl endlich ausgezählt ist. Der noch ausstehende Leonberger Wahlkreis bei der Kreistagswahl wird erst am Dienstagmorgen ausgezählt, danach sind als letztes die Leonberger Ortschaftsräte dran.

Der Wahlkrimi bleibt bis zum Ende hoch spannend, weil sich immer noch bei den Spitzenpositionen Verschiebungen ergeben könnten. Auch ändern sich während der Auszählung immer wieder die Namen der Gewählten. „Das ist schon sehr aufregend“, sagt Miriam Schneider, die erstmals für die CDU kandidiert hat und den Sprung in den Rat am Ende schafft. Routiniert zufrieden hingegen der Chef: „Es ist zehn Jahre her, dass wir stärkste Fraktion im Gemeinderat waren“, sagt Oliver Zander. „Da freut es uns natürlich, dass wir wieder vorne sind.“ Der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes betont gleichwohl den Willen zur Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen.

Zum Beispiel mit den Freien Wählern. Die können ihren Status mit 21,2 Prozent als zweitstärkste Kraft vor den Grünen (20) behaupten. Manche hatten sogar die Spitzenposition im Auge. Auch musste der mit vielen Ambitionen ins Rennen gegangene Stadtverbandsvorsitzende Stephan Schwarz lange zittern. Erst mit Auszählung des letzten der 42 Stimmbezirke war sein Einzug in den Gemeinderat gesichert.

Wählergeschenk zum runden Geburtstag

Dennoch gibt sich am Abend der Spitzenkandidat Axel Röckle zufrieden, zumal der Fraktionschef, der am Sonntag seinen 60. Geburtstag gefeiert hatte, als verspätetes Geschenk von den Wählerinnen und Wählern mit 11 826 Voten die Krone des Stimmenkönigs aufgesetzt bekommen hat.

Die hatte vor fünf Jahren noch Bernd Murschel auf. Der langjährige Landtagsabgeordnete von den Grünen muss sich diesmal mit Platz 3 (10 596) hinter Jörg Langer von den Freien Wählern (11 043) zufrieden geben. Trotzdem lächelt der Fraktionschef der Grünen, als er am frühen Montagabend ins Rathausfoyer kommt. „Entgegen des Bundestrends haben wir uns in Leonberg weitgehend stabil gehalten“, sagt Murschel. Die Grünen haben jetzt sechs statt acht Sitze.

Altgediente bei der SPD

Noch am Montagmorgen hatte Ottmar Pfitzenmaier der Auszählung mit gemischten Gefühlen entgegengeblickt: „Wenn wir vier Sitze bekommen, können wir zufrieden sein“, sagte der Fraktionschef der SPD mit Blick auf die mauen Ergebnisse seiner Partei bei der Europawahl, bevor er beim Schwimmen im Leobad Zerstreuung suchte.

Am Ende sollten es tatsächlich vier werden, die SPD holte 12,9 Prozent. Die neuen Kandidaten haben es nicht in den Rat geschafft. Dafür haben mit Elviera Schüller-Tietze, Wolfgang Schönleber und Christa Weiß drei Altgediente das Rennen gemacht.

Erfolg für Ursula Kreutel

Gelöste Gesichter bei der Gruppe SALZ, die bei 8,8 Prozent drei Leute im Gemeinderat und damit Fraktionsstatus hat. Das beste Ergebnis noch vor SALZ-Chef Frank Albrecht und Harald Hackert erzielte die Hausärztin Annette Gaber-Paul.

Drei Sitze hat auch wieder die FDP (8,1 Prozent). Bei den Liberalen holte ein Neuzugang die meisten Stimmen: die einstige Weissacher Bürgermeisterin Ursula Kreutel vor Horst Nebenführ und Nicolay Hess.

Neu im Gemeinderat ist die AfD (6,3) mit Gernot Hegenbart und Thomas Hartung, die beide auf der kommunalpolitischen Ebene noch nicht in Erscheinung getreten sind.

Ein Besucher im Rathausfoyer trat für keine Liste an: Bernhard Schuler, braun gebrannter Oberbürgermeister außer Dienst, wollte wissen, ob es sein Nachfolger Martin Georg Cohn (SPD) in den Kreistag geschafft hat. Doch diese Frage wird erst am Dienstag beantwortet. Der Alt-OB nutzte die Visite an alter Wirkungsstätte zu mancher Plauderei.

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