Die Diskussion um die Besetzung der Ditzinger Ortsvorsteher hat schon lange vor der Wahl begonnen. Wer wird Nachfolger von Barbara Radtke (CDU) in Hirschlanden und Michael Schmid, dem Freien Wähler, in Schöckingen? Beide haben nach 20 Jahren angekündigt, nicht mehr für den Ortschaftsrat zu kandidieren. Manch einer wird sich an die Kommunalwahl im Jahr 2019 erinnert fühlen. Die Freien Wähler hatten einen Sitz dazugewonnen, die Christdemokraten hingegen einen verloren. Daraufhin machten die Freien Wähler ihren Anspruch auf den Posten des Ortsvorstehers in Heimerdingen geltend. Letztlich hatten sich damals die Freien Wähler in Heimerdingen durchgesetzt, Bernhard Arzt wurde Nachfolger von Fritz Hämmerle, einem CDU-Mann.
Nun, fünf Jahre später, hat sich an der Grundstimmung nichts Wesentliches geändert – auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick aber wird offenbar, dass die Veränderungen im Gemeinderat ganz erheblich erden können. Das liegt vor allem an den beiden neuen Gruppierungen, die erstmals antreten. Zum einen will die Junge Liste erstmals in den Gemeinderat einziehen. Ihr Spitzenkandidat ist Carl Renninger. Der Student machte bisher als einer der jüngsten Gemeinderäte wie seine Mutter, Doris Renninger, für die Grünen Politik im Gemeinderat. Doris Renninger kandidiert erneut für die Grünen, sie belegt Listenplatz 1. Nicht nur bei den Grünen, auch bei allen anderen Parteien ist jeweils auf den ersten beiden Plätzen keine Veränderung vorgesehen: Es kandidieren Mandatsträger.
Auf den weiteren Plätzen der Jungen Liste folgen der Student Philip Böpple sowie der Landwirt Daniel Arzt. Arzt gehörte – ebenso wie Renninger – dem ersten Ditzinger Jugendgemeinderat an. „Als Neuankömmling hat man es schwer, den Einstieg in die Kommunalpolitik zu schaffen“, sagt Arzt mit Blick auf Strukturen, die parteiintern doch eher festgefahren seien. Insofern habe man mit der Jungen Liste die Möglichkeit zu einem Einstieg in die Kommunalpolitik.
Es gibt sechs Fraktionen im Gemeinderat – werden es bald acht?
Man habe sich dabei auf die jüngeren Generationen fokussiert, weil der Altersschnitt bei den etablierten Parteien doch etwas höher sei, sagt Arzt. Das sei auch der Grund gewesen, kein Bündnis für Vielfalt ins Leben zu rufen, wie es etwa in Ludwigsburg oder Hemmingen geschehen sei, wenngleich selbstverständlich Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds angesprochen werden sollten.
Welche Altersgruppe der Jungen Liste letztlich ihre Stimme geben wird, ist offen. Arzt hat beobachtet, dass auch die Altersgruppe der 40 bis 50-Jährigen interessiert seien.
Neben der Jungen Liste tritt erstmals zudem die AfD an. Auf der Liste der Alternative für Deutschland stehen neun Namen. Spitzenkandidat ist Severin Köhler. Seit Ende 2022 ist Köhler Vorsitzender des AfD-Ortsverbandes Ditzingen/Gerlingen. Mitte des vergangenen Jahres wurde er zudem Sprecher der Jungen Alternative im Land.
Bisher sind sechs Parteien beziehungsweise Gruppierungen im Ditzinger Gemeinderat vertreten. CDU und Freie Wähler haben jeweils sieben Sitze, die Grünen fünf, die SPD hat drei, die Unabhängigen Bürger sowie die FDP sind jeweils mit zwei Sitzen im Kommunalparlament vertreten.
Der große Kampf um die Stimmen
Bei der Kommunalwahl im Juni kämpfen nun acht Parteien und Gruppierungen um die Sitze im Gemeinderat. CDU, Freie Wähler, Grüne und SPD treten jeweils mit 26 Kandidaten auf ihrer Liste an. Außerdem werben neben der AfD und der Jungen Liste die Unabhängigen Bürger (UB) sowie die FDP.
SPD und Grüne treten bei den Wahlen zum Ortschaftsrat in Schöckingen abermals mit einer gemeinsamen Liste an, erstmals auch in Heimerdingen. Diese Zusammenarbeit hat sich aus Sicht der Verantwortlichen in Schöckingen bewährt und soll nun in Heimerdingen praktiziert werden.
Drängende Probleme ähneln sich
Die drängenden Probleme im Ort unterschieden sich nicht von jenen anderer Kommunen – die Stadt als lebenswerter Ort mit hoher Aufenthaltsqualität steht im Fokus. Dazu gehört die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, auch für junge Familien attraktiv zu bleiben, die Verkehrswende – was mit der Reduktion des individualisierten Autoverkehrs einhergeht – sowie Bildung und Betreuung. Kommunalpolitik sei ein „extrem spannendes und vielseitiges Feld“sagt Arzt. Man könne sich gar nicht leisten, sich auf ein Feld zu konzentrieren. Er wirbt dafür, wählen zu gehen. „Demokratie lebt von der aktiven Beteiligung.“ Wählen zu können, sei ein Gut, das nicht hoch genug wertgeschätzt werden könne.